Jugendstil in Bad Nauheim

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Jugendstil in Bad Nauheim

Bad Nauheim, das Sole-Thermalbad am Taunusrand, bietet neben seinen Heilquellen eine einzigartige Kombination aus Parklandschaften, Rosenfeldern und Jugendstilgebäuden. Wahrzeichen der Stadt ist der Sprudelhof, die größte geschlossene Jugendstilbadeanlage Europas. Zwischen 1904 und 1912 entstand mit der „Trinkkuranlage“ und dem „Sprudelhof“ diese Anlage, deren herausragende Architektur Bad Nauheim seine Mitgliedschaft im europäischen Jugendstilnetzwerk „Réseau Art Nouveau Network“ verdankt. Damit ist das mittelhessische Heilbad in diesem Verbund die einzige deutsche Stadt neben Jugendstilstädten wie Barcelona, Brüssel oder Budapest.

Ernst Ludwig

Das Réseau Art Nouveau Network wurde 1999 mit der Idee gegründet, für Städte mit Jugendstil-Sehenswürdigkeiten ein Netzwerk auf Ebene der Europäischen Union zu schaffen. Die Informationen über den Jugendstil und die Bewahrung dieser Kulturdenkmäler sind die Hauptziele des Programms.

Um 1900 gehörte Bad Nauheim zu den führenden Bädern Deutschlands. Die stetig steigende Zahl an Kurgästen führte dazu, dass der Andrang in den bestehenden Badehäusern kaum noch zu bewältigen war. Darüber hinaus besuchten immer mehr Gäste aus dem Adel und der Hochfinanz die aufstrebende Kurstadt. Bad Nauheim hatte das Glück, mit Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein (1868-1937) einen äußerst fortschrittlichen und kunstbegeisterten Landesfürsten zu haben, der sich auch in der Mathildenhöhe in Darmstadt ein Denkmal des Jugendstils gesetzt hat: Ihm verdankt auch Bad Nauheim seine einzigartigen Jugendstilanlagen. Unter der Leitung des Großherzoglichen Regierungsbauinspektors Wilhelm Jost kam es zwischen 1902 bis 1912 zu einer einheitlichen Gestaltung der Bade-, Kur- und Wirtschaftsanlagen.


Sprudelhof

Zwischen 1905 und 1912 entstand der Sprudelhof mit insgesamt 386 Badezellen, Verwaltungsgebäuden und neuen Fassungen für die Sprudel. Mit seinen reich verzierten Badehäusern, den üppig ornamentierten Wartesälen und Schmuckhöfen zählt er zu den eindrucksvollsten Zeugnissen des deutschen Jugendstils. Schmuckhöfe und Warteräume der sechs Badehäuser wurden individuell mit zahlreichen künstlerischen Details gestaltet. Die Ornamentik der Brunnen, Figuren und Dekore bezieht sich auf das Wasser als gesundheitsspendende Kraft.

Allerlei Meeresgetier, wie Muscheln, Fische, Seesterne und Krebse aber auch mythische Gestalten, wie Nymphen, Nixen oder die Rosse Poseidons bewegen sich zwischen Wellen, Kohlensäurebläschen und sprudelnden Quellen. In der Mitte der Anlage entspringen in einem großen Sprudelbecken zwei schaumweiße Fontänen: der Große Sprudel und der Friedrich-Wilhelm-Sprudel. Daneben der Ernst-Ludwig-Sprudel in einem von acht Robben getragenen Becken.

Zwischen 1910 und 1912 entstand die Trinkkuranlage. Die hufeisenförmige Anlage umschließt einen Innenhof mit einer Trinkhalle, Wandelgängen und einer großen Konzertmuschel, der ein rechteckiges Wasserbecken vorgelagert ist. Am Ende der westlichen Wandelhalle befindet sich der Kurbrunnen. Mit einem Gang verbunden ist die Trinkhalle in deren Mitte ein achteckiger Brunnen mit goldener Kuppel und Bekrönung heilkräftige Wasser spendet. Jenseits des Bahnhofs errichtete man die Maschinenzentrale mit Elektrizitäts- und Fernheizwerk, die sämtliche Bade-, Kur- und Wirtschaftseinrichtungen mit Energie und Wärme versorgen. Zu den Wirtschaftsgebäuden gehören ferner eine Dampfwaschanstalt und eine Eisfabrik, sowie die eigentlichen Salinengebäude, in denen bis Mitte des 20. Jahrhunderts die Salzgewinnung weiterbetrieben wird.

Hof

Auch das 1862-64 erbaute Kurhaus wurde umgestaltet und ausgebaut: Terrasse und Kurgarten wurden erweitert und ein Musiktempel errichtet. Außerdem baute man einen großen Konzertsaal - reich geschmückt mit abstrakten und figürlichen Jugendstilmalereien. Ebenfalls von Jost stammte das 1902 erbaute Inhalatorium, das heute die städtische Bücherei beherbergt.

Auch heute noch begeistert der Sprudelhof nicht nur die Badegäste, die in den Wannen aus australischem Hartholz das mit natürlicher Kohlensäure versetzte 33°C warme Mineralwasser genießen. Die flanierenden Bewunderer der Kunstwerke Wilhelm Josts und des Bildhauers Heinrich Jobst kommen hier ebenfalls auf Ihre Kosten. Regelmäßige Führungen der Bad Nauheim Stadtmarketing und Tourismus GmbH unter fachkundiger Leitung ermöglichen die Besichtigung der reizvollen Schmuckhöfe der Badehäuser.

Ein „Muss“ für Jugendstil- und Nostalgiefans ist immer im September der Besuch des Jugendstillbads Bad Nauheim. Dann nämlich verzaubert das einstige „Weltbad der Belle Epoque“ Einheimische wie Gäste gleichermaßen mit seinem Jugendstilfestival. „Bad Nauheim lebt den Jugendstil“ lautete das Motto unter dem die Stadt auch beim Wettbewerb „Ab in die Mitte“ des Landes Hessen 2007 gewonnen hat.

Nähere Informationen zu dem Festival sowie Anmeldungen zu den regelmäßigen Führungen durch die Jugendstilbadeanlagen gibt es bei der Bad Nauheim Stadtmarketing und Tourismus GmbH.

Bilder:Bad Nauheim Stadtmarketing und Tourismus GmbH

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