
Natürlich gehört die documenta zu den wichtigsten Ereignissen des Kulturlebens in Hessen – nicht nur im Bereich der Bildenden Kunst. Sie ist ohne Zweifel die weltweit wichtigste Ausstellung für zeitgenössische Kunst und zieht alle 5 Jahre die Kunstszene in ihren Bann und das nordhessische Zentrum Kassel. Hier informiert man sich über die jüngsten Trends und debattiert die jeweilige persönliche Handschrift des Kurators, der Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt zur Präsentation einlädt.
Doch auch die Zeit zwischen den Zyklen der documenta ist regelmäßig mit einem international beachteten Programm ausgefüllt. Die Museen, Galerien und weiteren Ausstellungsorte und die Künstlerinnen und Künstler aus Hessen sorgen dafür, dass das kunstinteressierte Publikum oft genug die Qual der Wahl hat. Und dies nicht nur in den zahlreichen am Museumsufer Frankfurt sondern auch in ganz Hessen.
Als das am meisten ambitionierte Projekt kann Anfang des 21. Jahrhunderts sicher die Zusammenfassung der Museumslandschaft in Kassel gelten. Die Gründung der museumslandschaft hessen kassel steht in einer rund 600jährigen Tradition des Sammelns, Bewahrens und Gestaltens. Fürstliche Sammelleidenschaft und fürstlicher Wille zur Repräsentation ließen hier über die Jahrhunderte hinweg und unverändert an ihrem historischen Ort mannigfaltige und bedeutende Kunstschätze zusammenkommen.
Aber auch die Sammlungen in den anderen hessischen Landesmuseen sind weltbekannt. Das Museum Wiesbaden ist ein Dreispartenhaus. Es gibt eine Kunstsammlung, die insbesondere wegen ihrer exquisiten Expressionistenbestände und der Arbeiten des russischen Malers Alexej von Jawlenski gerühmt wird. Eine Naturhistorische Sammlung und eine Sammlung Nassauischer Altertümer komplettieren dasTriumvirat. Die Gründung der ursprünglich drei Museen geht auf die Bürger der Stadt und den 1814/1815 in Wiesbaden zur Kur weilenden Wolfgang von Goethe zurück, der sehr auf die Gründung einer solchen Kultureinrichtung hingewirkt hatte. Er veranlasste 1825 den Frankfurter Privatsammler Johann Isaac Freiherr von Gerning, seine umfangreiche Sammlung von Kunstwerken, Altertümern und Naturalien dem Herzogtum Nassau gegen Zahlung einer Leibrente zur Verfügung zu stellen. 1913 konnten die Museen an ihren derzeitigen Ort in Wiesbaden einziehen, seit 1973 sind sie im Besitz des Landes Hessen. Eine ausführliche Vorstellung der Bestände des Museums erfolgt an dieser Stelle .
Das Landesmuseum Darmstadt besitzt mit dem „Block Beuys“ den weltweit größten, authentischen Werkkomplex, an dem der Künstler bis zu seinem Tod gearbeitet hat. Der Ursprung aber liegt auch hier weit zurück: Im Jahr 1820 übergab Großherzog Ludewig I. seine Kunst- und Naturaliensammlung in Form einer Stiftung in das Eigentum des Staates. Damit wurde eine Sammlung zugänglich, die seit dem 17. Jahrhundert von den Landgrafen von Hessen-Darmstadt kontinuierlich aufgebaut worden war. Naturalien und physikalischen Instrumente, Glasmalerei, altdeutsche Altäre, niederländische Gemälde, das gesamte druckgraphische Werk Albrecht Dürers und Rembrandts, Elfenbeinarbeiten und Gemälde des Mittelalters gehörten dazu. 1924 konnte sich das Museum einer Stiftung bedeutender Gemälde Arnold Böcklins erfreuen. Sie wurden zum Schwerpunkt der Galerie des 19. Jahrhunderts. Während des Nationalsozialismus erlitten besonders die Graphische Sammlung und der Bestand an deutschen Gemälden des Expressionismus empfindliche Einbußen, die auch nach 1945 nur teilweise kompensiert werden konnten. Jedoch konnten die Sammlungen nach 1945 durch Leihgaben oder Schenkungen weiter ergänzt werden. Dazu gehören 40 Skulpturen, die der Genfer Sammler Simon Spierer dem Museum zuteil werden ließ.
Das Hessische Landesmuseum gehört zu den wenigen Museen in Deutschland, die sich weiterhin einer interdisziplinären Sammlung und Präsentation von Natur-, Kunst- und Kulturgeschichte verpflichtet fühlen.
Durch die Konzentrierung zahlreicher international renommierter Museen in Frankfurt nimmt die Metropole am Main eine Sonderstellung ein. Sie ist das herausragende kulturelle Zentrum. In ihr versammeln sich Institute wie das Städelsche Kunstinstitut, das Museum für Moderne Kunst, das Museum für Angewandte Kunst , das Jüdische Museum Frankfurt , die Kunsthalle Schirn oder die Skulpturensammlung Liebighaus . Die Liste der Ausstellungshäuser und zahlreichen Galerien, deren jährlicher SaisonStart besonders herausragt, ist lang. Durch eine abwechslungsreiche und teilweise ungewohnte Sichtweisen abfordernde Ausstellungspolitik schaffen es alle diese Häuser, für eine große Aufmerksamkeit beim breiten Publikum, in der Kunstszene und der Fachpresse zu sorgen.
Mit der Hochschule für Bildende Kunst, kurz Städelschule genannt , bietet die Mainmetropole dem künstlerischen Nachwuchs eine ambitionierte Ausbildungsstätte, der mit der Kunsthalle Portikus ein Ort angegliedert ist, an dem Künstler aus aller Welt ausstellen. Im Laufe der Jahre hat sich dieser Ort als ein führendes Zentrum für experimentelle Kunst in Deutschland etabliert.
Der künstlerisch ambitionierte Nachwuchs findet in der Hochschule für Gestaltung in Offenbach eine weitere Möglichkeit zur Ausbildung, die im bundesweiten Wettbewerb einen oberen Rang einnimmt. Seit 1970 ist sie Kunsthochschule mit Universitätsrang. Ihre Tradition reicht zurück bis ins Jahr 1832. Große Offenheit zeichnet sie aus: freie Kunst, Medien und angewandtes Design werden gleichberechtigt gelehrt und miteinander entwickelt. Dabei geht es auch um das Zusammenwirken von Theorie und Gestaltung, Experiment und Produkt, neuer und alter Bilderzeugungstechniken. Die Förderung der kommunikativen Intelligenz ist ebenso Ziel wie die Entwicklung der emotional-sinnlichen Reife. Viele mittlerweile international beachtete Künstler haben ihren Weg in der HfG Offenbach begonnen.
In Hessen gibt es neben den großen Instituten und Häusern viele Projekte, die eine nicht weniger wichtige Aufgabe in der Kunstvermittlung wahrnehmen. Auch das Verzeichnis der Museen in Hessen kann sie nicht alle aufführen, ist aber eine große Hilfe beim Aufspüren der Ausstellungsorte und hält dafür sowohl eine thematische wie auch regionale Suchfunktion bereit.
Dazu gehören Orte wie die Kunsthalle Darmstadt , die Kunstvereine in Kassel oder in Frankfurt .
Eine erste Übersicht über Kunst in Hessen kann nicht schließen ohne den Hinweis auf die Arbeit der Hessischen Kulturstiftung . Sie verteilt die größten Zuschüsse im Bereich Bildende Kunst. Mehrere Millionen fließen jährlich den Museen und Archiven zu. Auch ein stiftungseigenes Stipendienprogramm gehört zum Arbeitsspektrum der Kulturstiftung, die auf ihrer Webseite ausführlich über die Fördermöglichkeiten und realisierte Projekte informiert.
Bilder: Hessisches Landesmuseum Darmstadt Judith Samen, o.T. (Kind Huhn), 2000, Städelmuseum Frankfurt , mhk , Wikimedia, , Museum für angewandte Kunst Frankfurt, HFG Offenbach
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