Bildende Kunst

»100 Jahre Liebieghaus« - Neupräsentation der Antikensammlung am Festwochenende

Die Liebieghaus Skulpturensammlung feiert dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Der böhmische Textilfabrikant Heinrich Baron von Liebieg hatte der Stadt Frankfurt seine 1896 erbaute Villa am Schaumainkai 71 zu einem Vorzugspreis unter der Bedingung vermacht, hier „auf ewige Zeiten ein öffentliches Kunstmuseum“ einzurichten. Im Jahr 1909 wurde hier das städtische Skulpturenmuseum unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit eröffnet.

23.04.09
Neupräsentation der Antikensammlung und des Schaudepots im Rahmen des Festwochenendes am 25. und 26. April 2009

Die Liebieghaus Skulpturensammlung feiert dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Der böhmische Textilfabrikant Heinrich Baron von Liebieg hatte der Stadt Frankfurt seine 1896 nach Plänen des Münchner Architekten Leonhard Romeis erbaute Villa am Schaumainkai 71 zu einem Vorzugspreis unter der Bedingung vermacht, hier „auf ewige Zeiten ein öffentliches Kunstmuseum“ einzurichten. Im Jahr 1909 wurde die um einen Galerietrakt
erweiterte Villa des Barons Liebieg als städtisches Skulpturenmuseum nur zwei Jahre nach Gründung 1907 unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit eröffnet. Da das Museum nur begrenzt auf ältere Sammlungen zurückgreifen konnte, wurde der Denkmälerbestand innerhalb kurzer Zeit durch Ankäufe erweitert. Bereits zur Eröffnung war es Georg Swarzenski, seit 1906 Direktor des Städelschen Kunstinstituts und Gründungsdirektor des Liebieghauses, gelungen, eine Sammlung von mehr als 350 Skulpturen zu präsentieren, die sowohl antike als auch mittelalterliche und barocke Werke umfasste. Er hatte damit den Grundstock für eine Sammlung gelegt, die ausschließlich der Plastik vorbehalten war und das Ziel verfolgte, „die Entwicklung der Bildhauerkunst bei den Kulturvölkern während der historischen Zeiten durch Sammlung hervorragender und charakteristischer Werke zu veranschaulichen“. Heute gehört das Liebieghaus mit über 3.000 Werken aus fünf Jahrtausenden international zu den wichtigsten Skulpturenmuseen. Es vereinigt in seiner Sammlung Werke sowohl der ägyptischen, griechischen und römischen Antike als auch Skulpturen des Mittelalters, Werke der Renaissance, des Manierismus, des Barock, des Rokoko, des Klassizismus und Ostasiens.

Athena-des-Myron

Die Feierlichkeiten rund um das 100-jährige Bestehen der Liebieghaus Skulpturensammlung werden mit einem Festwochenende am Samstag, den 25. und Sonntag, den 26. April 2009 eingeleitet. Im Rahmen dessen werden die Neuaufstellung des Sammlungsbereichs Antike, in den auch Werke des Klassizismus integriert sind, sowie das neu geschaffene Schaudepot erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit der Neugestaltung der Antikensammlung präsentieren sich nun alle Sammlungssäle sowie die Studioli im Dachgeschoss und das Schaudepot im Erdgeschoss mit einem neuem Farb- und Lichtkonzept sowie einem einheitlichen Leitsystem. Damit findet die 2007 begonnene Neugestaltung des Liebieghauses, die von den Berliner Architekten Kuehn Malvezzi in Zusammenarbeit mit den Sammlungsleitern realisiert wurde, ihren Abschluss.

Die Antikensammlung des Liebieghauses umfasst eine exquisite Auswahl ägyptischer, griechischer und römischer Skulptur. In der Neuaufstellung wird der ursprüngliche Zusammenhang von Skulptur und Aufstellungsort wiederhergestellt. So dominiert eine doppelte Scheintür die Raummitte der neuen Ägyptensammlung. Durch die axiale Ausrichtung der Skulpturen – darunter die berühmten Reliefs des Pharao Sahure und die Grabstatue des Anch-Userkaf – wird den ursprünglichen Konzepten ägyptischer Grabbauten entsprochen. Ein der griechischen Kunst gewidmeter Raum hebt die berühmte Frankfurter Musengruppe hervor und inszeniert einen kleinen antiken Grabbezirk, der einen authentischen Eindruck
der Grabkomplexe vor den Toren Athens vermittelt. Im großen Saal der römischen Skulptur wird die kostbare römische Wiederholung der berühmten myronischen Athena ins Zentrum gestellt und eine römische Forumsanlage nachempfunden. Einen Höhepunkt des Rundgangs stellt die einzigartige Marmorstatue des antretenden Diskobols dar. In den intimeren Räumen der Sammlung begegnen die Besucher einer Reihe römischer Porträts, darunter die bedeutende Schenkung der sogenannten Octavia aus der Sammlung W. von Bergen.

Eine weitere sensationelle Neuerwerbung der Antikensammlung stellt der bekannte und bereits von Künstlern der Renaissance studierte und gezeichnete Marsyas-Sarkophag „Alberici“ dar. Er erzählt den gesamten Mythos der Göttin Athena, die die Doppelflöte erfindet und dadurch einen für den Satyr Marsyas tödlich ausgehenden Wettstreit mit Apoll auslöst. Der rund zwei Meter lange marmorne Marsyas-Sarkophag gehört zu den bekanntesten antiken römischen Sarkophagen. Er stammt aus der spätantoninischen Zeit des ausgehenden 2. Jahrhunderts n. Chr. und gilt als eines der besten Werke dieser künstlerisch besonders einfallsreichen und qualitätsvollen Entwicklungsphase der römischen Kunst. Der Marsyas-Sarkophag wurde vom Städelschen Museums-Verein mithilfe der Kulturstiftung der Länder und der Stadt Frankfurt aus Mitteln der Stiftung Kober anlässlich des 100-jährigen Jubiläums erworben. Damit wird die Geschichte des Liebieghauses auf die schönste Weise aufgegriffen: Genau vor hundert Jahren anlässlich der Museumseröffnung nämlich wurde von Frankfurter Bürgern die bedeutende myronische Athena gestiftet, deren Mythos auf dem Sarkophag detailreich erzählt wird.

Im Rahmen der Neuaufstellung der Antike werden nun auch Werke des Klassizismus in diese integriert. So soll deutlich gemacht werden, wie sehr der Klassizismus durch die Antike geprägt ist und wie sehr wiederum die heutige Wahrnehmung der Antike durch den Klassizismus geformt wurde. Werke der Bildhauer Bertel Thorvaldsen oder Johann Heinrich Dannecker im Liebieghaus legen davon Zeugnis ab.

Durch die neue Beleuchtungstechnik – bestehend aus einem computergesteuerten Deckenlicht und einer großen Anzahl innovativer LED-Strahler – bieten sich die Skulpturen der Antike und des Klassizismus in neuem Licht dar. Die Plastizität der Marmorplastik erfährt durch die mediterrane Farbigkeit der Wände eine Steigerung.

Eine weitere Neuerung der Sammlungspräsentation betrifft die Einrichtung des Schaudepots im Untergeschoss. Da die Neupräsentation eine Reduzierung der ausgestellten Objekte zugunsten einer optimierten Präsentation bedingte, wurde ein für die Besucher zugängliches Schaudepot im Untergeschoss eingerichtet. Darüber hinaus werden hier Werke in unterschiedlichsten Formaten und Materialien aus allen Sammlungsbereichen ausgestellt, die bislang nur selten oder lange Zeit gar nicht zu sehen waren. Die Objekte sind primär nach Größen, Materialien und konservatorischen Aspekten geordnet. Erst an zweiter Stelle stehen zeitliche oder geografische Kriterien. Die sich daraus ergebenden Objektzusammenstellungen voll überraschender Beziehungen und ungewohnter Vergleichsmöglichkeiten schaffen interessante Einsichten. Mit dem Schaudepot, das durch das besondere Engagement der Stadt Frankfurt realisiert werden konnte, ermöglicht das Liebieghaus nicht nur einen neuen und spannenden Einblick in die normalerweise verborgenen Bestände seiner Magazine. Es bedeutet außerdem eine wichtige Bereicherung und Ergänzung der Schausammlung und zugleich die konzeptuelle Abrundung und Vervollständigung des neuen Liebieghauses.

Das Festwochenende am Samstag, den 25. und Sonntag, den 26. April 2009 steht daher ganz unter dem Motto „Das Liebieghaus gestern, heute und morgen“. In zahlreichen Führungen, Workshops und Aktionen werden die neuen Sammlungsbereiche, das Schaudepot, die Neuerwerbungen und vieles mehr vorgestellt. Im Rahmen der Nacht der Museen am 25. April entführt der Schauspieler Peter Heusch stündlich zwischen 20 und 22 Uhr in die Geschichte der Skulpturensammlung und nimmt die Besucher mit auf eine Zeitreise. Für die jüngeren Besucher gibt es von 19 bis 21 Uhr eine Ton- und Holzwerkstatt, bei „Kinder führen Kinder“ heißt es um 20 Uhr „Athena oder Venus? Wer ist die Schönste?“. Im Garten des Liebieghauses zieht „Glütmeister Knuffi“ ab 21 Uhr die Besucher mit brennenden Skulpturen in seinen Bann. In Kooperation mit Zeleke & Zeleke (Unity) lädt abends ab 21 Uhr eine Mischung aus Soul, Funk, Acid und Jazz im Garten des Liebieghauses zum Tanzen ein.

Einen weiteren Höhepunkt im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum wird im Herbst die Ausstellung „Jean-Antoine Houdon: Die sinnliche Skulptur“ (28. Oktober 2009 bis 28. Februar 2010) darstellen, die sich dem Werk des französischen Aufklärers widmet. Im Zentrum steht eine von Houdons berühmtesten Skulpturen, die 1785 geschaffene „Frileuse“, die „Fröstelnde“. Sie verkörpert den Winter und wurde als Pendant zur Darstellung des „Sommers“ entworfen. Die beiden Skulpturen demonstrieren den paradigmatischen Wandel, den die aufklärerische Kunst in Abgrenzung zum Barock vollzog. Der zweite Teil der Ausstellung beleuchtet die Persönlichkeit Houdons unter einem neuen Aspekt, dem vom Künstler verwendeten Material.

Direktor: Max Hollein

Kuratoren: Prof. Dr. Vinzenz Brinkmann (Antike und Ostasien), Dr. Maraike Bückling (Renaissance bis Klassizismus), Dr. Stefan Roller (Mittelalter)

Festwochenende: Samstag, 25. und Sonntag, 26. April 2009

Ort: Liebieghaus Skulpturensammlung, Schaumainkai 71, 60596 Frankfurt am Main

Öffnungszeiten: Di, Fr-So 10.00-18.00 Uhr, Mi und Do 10.00-21.00 Uhr, Montag geschlossen, Nacht der Museen 19.00-2.00 Uhr

Information: www.liebieghaus.de
Telefon: +49(0)69-650049-0,
Fax:+49(0)69-650049-150

Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 6 Euro, Familienticket 14 Euro, freier Eintritt für Kinder bis 12 Jahre

Bild: Athena des Myron, römische Wiederholung einer Bronzegruppe von ca. 450 v. Chr., Marmor, Höhe ca. 173,5 cm, Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt am Main, Foto: Rühl & Bormann



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