
Der chinesische Künstler Ai Weiwei, der bei der letzten documenta in Kassel besonders im Rampenlicht stand, erhält den Bürgerpreis "Das Glas der Vernunft" 2010. Er sei ein Dolmetscher zwischen westlichen und östlichen Kulturen und trete kritisch gegenüber einem totalitären Staatssystem auf.
Ai Weiweis Werk greife in aktuelle gesellschaftliche und politische Konflikte ein, er dokumentiere sie mit künstlerischen Mitteln und mache auf eine sinnliche Weise die Widersprüche sichtbar, so die die Gesellschaft des Bürgerpreises in einer Mitteilung zur Preisvergabe. Sein Mittel sei dabei nicht die Agitation, sondern die Herausforderung zum Diskurs.
Nach Christo und Jeanne Claude, die im Jahr 2000 den Preis erhielten, sowie Harry Szeemann, der 2005 geehrt wurde, werde 2010 also wiederum ein Künstler ausgezeichnet. Ai Weiweis Bekanntheit und Popularität sei durch die Kasseler Weltausstellung documenta gefördert worden, erklärte Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen. Die documenta beweise sich damit als Ort und Ausgangspunkt einer weltweit wirkenden Auseinandersetzung um gesellschaftliche und künstlerische Prozesse.
Im Sommer vergangenen Jahres war Ai von der chinesischen Polizei misshandelt und schwer verletzt worden. Er sei nach einer medizinischen Behandlung in München inzwischen wieder nach Peking zurückgekehrt, erläuterte documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld: "Sein Gesundheitszustand hat sich entschieden gebessert." Der 1957 geborene Ai war einer der populärsten Künstler der Weltkunstausstellung documenta 12 im Jahr 2007 in Kassel. Unter anderem hatte er für sein Kunstwerk "Fairytale" 1001 Chinesen einfliegen lassen.
Der von Kasseler Bürgern gestiftete Bürgerpreis "Glas der Vernunft" wird seit 1991 an Politiker, Künstler und Wissenschaftler verliehen, die sich um Aufklärung, Vernunft und Toleranz verdient gemacht haben. Er ist mit 10.000 Euro dotiert.
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