
Kaum ist der neue (alte) Pressesprecher ernannt, annonciert die documenta für September 2009 mit „d documenta“ eine zweitägige Konferenz in Turin an.
Es soll ein Forum zur Diskussion und Reflexion über die Geschichte der documenta mit ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen und ihre Zukunft werden.
Die documenta ist ein alle fünf Jahre wiederkehrender Schlüsselmoment geworden, an dem zeitgenössische Kunst gezeigt wird und sich an Kunst und ihrem Verhältnis zur Welt interessierte Menschen begegnen, um die Lage zu analysieren und Ein- und Ausblicke auszutauschen. Für die an der Organisation der nächsten documenta Beteiligten beginnt die Reise öffentlich am 18. September 2009.
Ort:
Castello di Rivoli Museo d'Arte Contemporanea, Rivoli, Turin
Zeit:
18. September 2009, 10 h-13 h und 14.30 h-18.30 h
19. September 2009, 11 h-13 h und 14.30 h-18.30 h
Als Redner zu diesem Event sind die künstlerischen LeiterInnen aller bisherigen documenta-Ausstellungen eingeladen. Sie wurden gebeten, in der Präsentation ihrer Ausstellung zunächst ihr Gegenwartsverständnis zur Zeit der von ihnen ausgerichteten documenta zu beschreiben: Wie waren sie sich ihrer Zeit bewusst und wie haben sie sich in ihrer Zeit positioniert. Was bedeutete das für sie und inwieweit floss es in ihre Strategien und Entscheidungen mit ein? Zusätzlich sollen sie rückblickend skizzieren, was sie vielleicht anders gemacht hätten - in Anbetracht der Entwicklungen in der Kunst und in der Welt im Allgemeinen nach ihrer documenta.
Die documenta entstand in den frühen 1950ern als direkte Antwort auf die Politik der "entarteten Kunst" des Dritten Reichs. Sie setzt sich dadurch von anderen regelmäßigen internationalen Kunstausstellungen, die sich aus den Weltausstellungsmodellen des 19. Jahrhunderts herleiten, durch ihre theoretische Basis und das Bewusstsein für die gesellschaftliche Notwendigkeit von Kunst ab. Das gilt heute noch genauso wie vor 50 Jahren.
Das Castello di Rivoli fügt sich als idealer Veranstaltungsort für die Konferenz ein, weil sein erster Direktor Rudi Fuchs künstlerischer Leiter der 1982er „documenta 7“ war, und nun Carolyn Christov-Bakargiev - seit 2001 Chefkuratorin am Castello di Rivoli und seit 2009 seine künstlerische Interimsdirektorin - zur künstlerischen Leiterin der 2012 in Kassel stattfindenden „documenta 13“ ernannt wurde. "Die documenta 13" - so Christov-Bakargiev - "wird aus einer archäologischen Perspektive, einer ökologischen Beziehung zur Vergangenheit heraus entwickelt, in der jedes für die Zukunft geplante Kulturprojekt sich aus einem Blick zurück entwickeln muss - wie stellte man sich etwa in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Gegenwart vor und was galt bei den verschiedenen documenta-Ausgaben jeweils als dringendes Anliegen?" Gleichzeitig begeistert sie sich "...persönlich für das Unlogische, Verspielte und Poetische, für das Zelebrieren von Kunstwerken und dafür, Besucher eines Ereignisses wie der documenta einzubinden und es für sie zu einer einzigartigen Erfahrung zu machen."
Die Konferenz bringt die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der documenta zu einem Dialog zusammen und lädt alle Interessierten ein, daran teil zu nehmen.
Heiner Georgsdorf ,
Vorsitzender des Kuratoriums der Arnold-Bode-Stiftung und Freund von Arnold Bode, zur documenta 1955, II. documenta 1959, documenta III 1964 und 4. documenta 1968 unter A. Bodes Leitung.
Walter Grasskamp ,
Professor für Kunstgeschichte an der Akademie der Bildenden Künste, München, zur documenta 1955, II. documenta 1959, documenta III 1964, 4. documenta 1968.
[f:Jean-Christophe Ammann
… aus der Arbeitsgruppe, die die von Harald Szeemann geleitete documenta 5 von 1972 kuratierte
Manfred Schneckenburger ,
künstlerischer Leiter der documenta 6, 1977, und documenta 8, 1987
Rudi Fuchs ,
künstlerischer Leiter der documenta 7, 1982
Jan Hoet ,
künstlerischer Leiter der documenta IX, 1992
Catherine David ,
künstlerische Leiterin der documenta X, 1997
Okwui Enwezor ,
künstlerischer Leiter der documenta 11, 2002
Roger M. Buergel ,
künstlerischer Leiter der documenta 12, 2007
Carolyn Christov-Bakargiev ,
künstlerische Leiterin der documenta 13, 2012.
Sämtliche Vorträge und Diskussionen werden aufgezeichnet und in elektronischer Form publiziert.
In Kooperation mit kulturkurier.de .
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