Bildende Kunst

Geht der „Schreitende“ nach New York?

Das Rätsel um den Ankauf von Giacomettis Skulptur „Der Schreitende“ scheint gelöst. Als Käuferin wurde Lily Safra, eine aus Brasilien stammende Milliardärswitwe ausgemacht. Sie sitzt unter anderem im Aufsichtsrat des Museum of Modern Art in New York.

03.03.10
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„Der Schreitende“, der für das Lebensgefühl der Nachkriegszeit, den Existenzialismus und die Isolation der Moderne steht, wurde von der Commerzbank aus der Sammlung der von ihr übernommenen Dresdner Bank Anfang Februar 2010 verkauft. Zunächst auf bis zu 18 Mio. Pfund geschätzt, wurden am Ende rund 74 Millionen Euro (rund 65 Mill. Pfund) erzielt, der höchste Preis der Auktionsgeschichte. Mehrere Bieter hatten sich ein Gefecht um den Giacometti geliefert: Nach nur acht Minuten war der hohe Preis erreicht.

Wie das Handelsblatt berichtete, habe ein Vertreter von Sotheby's nach der Auktion die Skulptur an sich genommen, den Namen des Auftraggebers zunächst jedoch nicht genannt. Die ersteigerte Figur soll dann aber im Anschluss in Lily Safras Londoner Wohnung geliefert worden sein. Der Berater der Milliardärin wollte den Ankauf weder bestätigen noch dementieren.

Lily Safra war in vierter Ehe mit dem libanesischen Bankier Edmond J. Safra verheiratet. Dieser starb vor über zehn Jahren in den Flammen seiner Wohnung in Monaco. Die Witwe, Lily Safra, investiert ihre Zeit und viel Geld in eine Stiftung, die den Namen ihres Mannes trägt. Außerdem sitzt sie im Aufsichtsrat des Museum of Modern Art, New York. Dies ist möglicherweise ein Hinweis darauf, dass Giacomettis Skulptur für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen wird.

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Giacomettis "Schreitender" ist eine Skulptur mit viel "Bankerfahrung". Der Schweizer Künstler konzipierte sein Werk 1961 für die Plaza der New Yorker Chase Manhattan Bank. Dresdner-Vorstand Manfred Meier-Preschany ließ es dann 1980 kaufen.

Von den 74 Millionen Euro Rekorderlös wird nach Angaben der Commerzbank rund ein Drittel in die Kulturförderung fließen. Ursprünglich hatte die von schlechten Erträgen gebeutelte Bank Hoffnungen gemacht, sie wolle einen weitaus größeren Anteil am Verkaufserlös dazu nutzen, „die Bildung im kulturellen Bereich“ durch die Veräußerung zu stärken.

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