
Junge Designer für junge Leser - unter diesem Motto ist der neue Lesesaal für Jugendliche in der Frankfurter Stadtbücherei entstanden. Studenten der HfG in Offenbach haben die Räume und Möbel entworfen.
Die Jugendbibliothek im Frankfurter Stadtteil Bornheim will mehr Jugendliche zu Lesern machen. Für sie gibt es darum von nun an eine Leseinsel, eine "Teen-Lounge". Das heißt: ein vom Rest der Bibliothek abgetrennter Raum mit geschwungenen Regalen und bunten Sesseln und Kissen. Die Jugendlichen sind begeistert: "Das ist total schön hier", sagt eine junge Leserin und eine andere ergänzt: "Früher war das alles abgenutzt, das sieht jetzt echt cool aus, schön bunt."
Die Bibliothek als ein Ort zum Verweilen: "Die Jugendlichen sollen sich gemütlich hinsetzen, mit Freunden über Bücher diskutieren, in Büchern und Zeitschriften schmökern", erklärt Doris Rosenfeld von der Bibliotheksleitung. Denn gerade im Alter zwischen zehn und 15 Jahren gewöhnen sich viele Jugendliche das Lesen ab, manche für immer. Die Idee für die Lounge ließ sich dabei nicht leicht umsetzen. Offenbar hat bislang kaum eine Bibliothek versucht, einen Raum für Jugendliche zu schaffen.
So gibt es etwa auf dem Markt viele unterschiedliche Bibliothekseinrichtungen und Möbel speziell für Kinder zu kaufen - eine Einrichtung für Jugendliche war aber nirgends zu haben. Die Zentrale Kinder- und Jugendbibliothek nahm darum Kontakt zur Hochschule für Gestaltung in Offenbach (HfG) auf.
Dort fanden sich im Fach "Produktdesign" eine Dozentin und zwei Studentinnen, die ein Bibliothekskonzept für Jugendliche entwickelten. Die Dozentin Stephanie Dietmann analysierte zunächst das Konzept anderer Jugendbibliotheken: "Das hat normalerweise für die Jugendlichen einen 'stop-and-go'-Charakter. Man kommt rein, holt sich die Medien und zischt gleich wieder ab. Hier sollte es ganz klar ein Aufenthalt, ein Rückzugsraum sein, auch als alternatives Angebot für Jugendliche, die kein behütetes Elternhaus haben."
Mit Hilfe von Sponsoren wurden völlig neue Bibliotheksmöbel gebaut. Die 27 Jahre alte Studentin Cornelia Marschall hat sie mitentwickelt: "Wichtig war, dass wir den Bereich komplett anders machen wollten als die Bibliothek. Er sollte wirklich etwas Besonderes sein. Wir zeigen: Hier ist ein Freizeitbereich, hier ist keine Sachbibliothek, aber der Raum soll sich trotzdem wieder in das gesamte Gebäude einfügen. Das Jugendliche daran ist: Die Regale sind geschwungen, sie stehen nicht in Reih und Glied. Dann haben wir Sessel gemacht, die von Bücherregalen quasi umfasst sind, man kann sich in die Bücherwelt zurückziehen."
Quelle: hr-online - Ein (gekürzter) Bericht von Silja Tietz in hr2-kultur
In Kooperation mit kulturkurier.de .
© 2009 Kulturportal Hessen. Rechtliche Hinweise