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»Thomas Bachler: Das Auge sieht mit« im Marburger Kunstverein

Vom 7. Mai bis 24. Juni 2010 zeigt der Marburger Kunstverein Arbeiten von Thomas Bachler, die sich facettenreich mit dem Medium Fotografie auseinandersetzten.

07.05.10

Auf den ersten Blick scheinen die Arbeiten des seit 2003 in Leipzig lebenden Künstlers sehr unterschiedlich zu sein. Von Installationen und Buchobjekten bis hin zu Fotografien, Fotogrammen und Camera obscura Aufnahmen reicht die Bandbreite. Allen Werken gemeinsam ist jedoch die serielle Konzeption, die mit technischer Raffinesse und Sinn für Humor unsere menschlichen Sehgewohnheiten hinterfragt.

Bekannt wurde Bachler, der in den 80er Jahren „Visuelle Kommunikation“ an der Kunstakademie Kassel studierte, indem er als einer der ersten Künstler die Möglichkeiten der Camera obscura auszuprobieren begann. Zur Camera obscura wird ein dunkler Raum oder Behälter wenn durch ein kleines Loch Licht hineinfällt und auf der gegenüberliegenden Wand ein auf dem Kopf stehendes Abbild projiziert wird. Ist in dem Durchlass keine Sammellinse zur Bündelung der Lichtstrahlen angebracht spricht man von einer Lochkamera.

Bachlers Verwendungsweisen dieser Aufnahmetechnik sind äußerst vielseitig: Gelegentlich fungiert sein eigener Körper als Lochkamera, dann wiederum entstehen geheimnisvolle Aufnahmen im Inneren einer begehbaren Camera obscura oder der Apparat wird derart in einer Fensterlaibung positioniert, dass er zugleich die Sicht nach innen und außen ermöglicht.

Neben den apparativen Möglichkeiten der Fotografie geht es Bachler vor allem um Wahrnehmungsphänomene. Er versucht mit seinen Arbeiten auszuloten, inwieweit die selbstverständliche Präsenz der Fotografie unsere Sichtweise auf die Welt geprägt und verändert hat und wie Bilder, herausgelöst aus ihrem ursprünglichen Kontext, gelesen werden.

In der Serie der „Fallstudien“ fertigte Bachler Fotogramme von fallenden Revolvern und anderen Gegenständen an. “Fotogramme“, so äußert er sich zu dieser Arbeit, „entstehen meist im Liegen: Die Objekte werden auf das Fotopapier gelegt und belichtet. Spannender fand ich schon immer mit bewegten Schattenbildern zu arbeiten; da bot sich die Fallgeschwindigkeit als elementarster Bewegungsfaktor an. So entstehen Stillleben von flüchtigen Momenten, die den Gegenständen erlauben, sich mit einem hellen Schweif auf die beginnende Auflösung vorzubereiten.”

Die in Marburg gezeigte Zusammenstellung von Werkserien der letzten Dekade ist die bisher umfangreichste in Deutschland.

Thomas Bachler: Das Auge sieht mit
Fotografie, Fotogramme, Fotobücher, Camera obscura Bilder

Eröffnung: Freitag, 7. Mai 2010, um 18.00 Uhr im Marburger Kunstverein
Ausstellungsdauer: 7. Mai bis 24. Juni 2010



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