
Schon die Anlage des imposanten Grabhügels mit seiner rund 350 Meter langen "Prozessionsstraße" am Fuße der frühkeltischen Burg auf dem Glauberg lässt keinen vernünftigen Zweifel zu: Hier in der Wetterau, in Sichtweite von Frankfurt, bestand im sechsten und fünften Jahrhundert vor Christus ein bedeutendes überregionales Machtzentrum. Als die Archäologen 1994 begannen, den Grabhügel samt dem ihn umgebenden Kreisgraben genauer unter den Spaten zu nehmen, war die Überraschung groß. Im Inneren des Hügels entdeckten sie das aus Eichenbohlen konstruierte und reich mit in Tüchern eingewickelten Beigaben ausgestattete Grab eines etwa 28 bis 32 Jahre alten, rund 1,70 Meter großen Mannes. Ein Jahr später gab der Boden des Hügels ein weiteres Grab frei, diesmal die Brandbestattung eines gleich großen, etwa 30 bis 40 Jahre alten Mannes; auch dessen Beigaben waren in Tücher gehüllt. Die Sensation war perfekt, als die Ausgräber 1996 dann am Rand des Grabhügels eine hervorragend erhaltene, 1,86 Meter große und 230 Kilogramm schwere Sandsteinskulptur eines Kriegers freilegten, dem nur die Füße fehlen. Außerdem fanden sich noch weitere Sandsteinfragmente, die mindestens drei ähnlichen Statuen zuzuordnen sind.
In mehreren zumeist großzügig bespielten Abteilungen wurden die historischen, religiösen, kunstgeschichtlichen und sozialen Zusammenhänge mit eindrucksvollen Funden aus Hessen sowie anderen Landschaften und Ländern dokumentiert, in die die Glauberg-Funde einzuordnen sind - soweit dies heute überhaupt schon möglich ist. Denn trotz großartiger Funde, darunter das Fürstengrab von Hochdorf (1978), und trotz der Kelten-Ausstellungen in Hallein (1980), Venedig (1991) und Rosenheim (1993) sind uns die Gedankenwelt und die staatliche Organisation der Kelten, die Rom in Schrecken versetzt und vor Alexander dem Großen angeblich zu Protokoll gegeben hatten, sie fürchteten nur, der Himmel könnte ihnen auf den Kopf fallen, weiterhin doch fremd oder unbekannt. Reich ornamentierte Schwertscheiden oder mit Goldbeschlägen verzierte Trinkhörner und filigran gearbeitete Bronzekannen waren zu bestaunen wie auch der reiche Ornamentschatz an Gewandfibeln, Gürtelhaken sowie Arm- und Halsreifen, der mit seinen meisterhaft stilisierten Mischwesen, Tieren oder Darstellungen der Herrin der Tiere Einblicke in das mythisch-religiöse Denken gewährt. Der enge Kontakt der keltischen "Fürsten" zur Welt der Griechen, Etrusker und Italiker wurde durch Importe von griechischer Keramik oder die Übernahme von Bild- und
All diese Aspekte spiegeln sich auch in den Glauberg-Funden. Der Tote in Grab 1 wurde gleichsam in seinem Ornat bestattet, der seinen gesellschaftlichen Rang als einer der Ersten dokumentiert. Außer goldenen Ohrringen, einem Armreif und einem Fingerring trug der "Fürst" um seinen Hals einen filigran verzierten, geschlossenen Halsring, dessen Form aber nicht dem typischen Torques - offener Halsring mit zwei verdickten Enden wie etwa bei der berühmten Skulptur des Sterbenden Galliers - der Kelten entspricht. Am Vorderteil erkennt man zehn Menschenköpfe, darunter drei knospenartige Anhänger, dazwischen stilisierte Vogelpaare und in den Zwickeln jeweils ein Menschenfigürchen. Die Deutung dieses Stückes als besonderes Würdezeichen ist wohl zutreffend. Die Köpfe könnten Machtstellung und Kriegernatur des Mannes unterstreichen, wissen wir doch, dass die Kelten ihren Feinden die Köpfe abschlugen, diejenigen berühmter Gegner sogar einbalsamierten und sorgfältig aufbewahrten. An Waffen hatte man dem Toten seinen Gürtel mit Schwert, drei Lanzen, einen Reflexbogen mit Pfeilen und einen Schild mitgegeben. Schließlich stand am Kopfende eine der bei den Kelten äußerst beliebten bronzenen Schnabelkannen, deren Vorbilder aus Etrurien stammen, deren Rand eine sitzende Kriegerfigur im Panzer und zwei Sphingen zieren - klarer Hinweis auf den Brauch der Trinkgelage im Dies- und im Jenseits. Dem Toten im zweiten Grab waren zwar nicht so wertvolle Stücke mitgegeben worden, doch zeigen die keltische Röhrenkanne aus Bronze, der ebenfalls aufwendig gearbeitete Gürtel sowie die ornamental verzierte Schwertscheide und die Lanzen, daß auch dieser Mann eine hochstehende Person gewesen sein muss - abgesehen davon, dass auch er in dem Grabhügel bestattet war.
Von herausragender Bedeutung ist schließlich die Skulptur des "Glauberg-Fürsten", und zwar für die Entwicklung und Eigenart keltischer Großplastik in Europa wie auch im Blick auf den "Fürsten" im Grab. Vergleicht man nämlich Skulptur und Grabfunde, so zeigten sich eindeutige Parallelen: Schwert und Schild, Fingerring und Armreif sowie der Halsring mit den drei Anhängern. Ob die Ohrringe einst gemalt waren, bleibt offen. Vermutet werden darf, dass die Statue des im leinenen oder ledernen Kompositpanzer Dargestellten - die Vorbilder tauchen in der antiken Welt im sechsten vorchristlichen Jahrhundert auf - farblich gefasst war. Der Schluss also liegt nahe, in der Statue ein Abbild des toten "Fürsten" mit Blattkrone und eng anliegender, floral gestalteter sogenannter "Blattkrone" zu erkennen. Er stand mit den anderen, in Fragmenten nachgewiesenen Statuen vermutlich am Rande des Grabhügels und markierte diesen "heiligen Ort", der, vergleichbar mediterranen Vorbildern, vielleicht auch dem Ahnen- oder Heroenkult diente.
Am Glauberg soll ein neues Museum errichtet werden, das die wesentlichen Erkenntnisse über die Funde am Glauberg angemessen präsentiert. Zusammen mit dem Archäologischen Park bedeutet dies eine wesentliche Attraktion für ganz Hessen und eine deutliche Aufwertung der Region.
Am 28. Juni 2006 wurde es dann amtlich: Udo Corts, amtierender Minister für Wissenschaft und Kunst, gab grünes Licht für den Bau des neuen Museums. Das Museum wird voraussichtlich Anfang 2009 eröffnet werden. Die rund 2500 Jahre alte Sandsteinstatue des Keltenfürsten wird nach Fertigstellung des Museums zum Fundort zurückkehren. Das Land Land Hessen wird auf dem Plateau in Sichtweite des rekonstruierten Fürstengrabhügels und neben dem Archäologischen Park für mehr als sechs Millionen Euro ein neues Keltenmuseum errichten. In dem Neubau sollen neben der vor zehn Jahren entdeckten Originalstatue des Keltenfürsten auch die auf dem Glauberg ausgegrabenen prachtvollen Grabbeigaben ausgestellt werden.
Mehr lesen beim Glauberg Museum und beim Landesamt für Denkmalpflege] oder auf den Onlineseiten KULTUR des Hessischen Rundfunks , die auch Audiomaterial enthalten.
Das Hessische Landesmuseum Darmstadt hat dem Keltenfürst noch 2006 eine Heimstadt gegeben: Mehr zu der Sonderausstellung .
Bilder: HMWK, Archäologischer Park Glauberg gGmbH
In Kooperation mit kulturkurier.de .
© 2010 Kulturportal Hessen. Rechtliche Hinweise