
Einer der wichtigsten Glaskünstler unserer Zeit wohnt in Langen: Johannes Schreiter. Von 1963 bis 1987 war er Professor für Malerei und Grafik an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste in Frankfurt (Städelschule), von 1971 bis 1974 deren Rektor. Im Jahr 2010 erreicht er sein achtzigstes Lebensjahr.
Johannes Schreiter, geboren am 8. März 1930 in Annaberg-Buchholz im Erzgebirge, studierte von 1949 bis 1957 Kunst in Münster, Mainz und Berlin. Für seinen Lebensunterhalt erhielt er ein Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung. Drei Jahre nach Abschluss leitete er von 1960 bis 1963 die Abteilung "Fläche" an der Staatlichen Kunsthochschule Bremen inne. Danach zog es ihn nach Frankfurt.
Schon als kleiner Junge kann Johannes Schreiter Stift und Papier nicht widerstehen: "Ich konnte davon gar nicht ablassen. Man sagt, ich hätte als kleiner Bub schon stundenlang auf dem Boden gehockt und auf Packpapierbögen gezeichnet und gemalt. Es war ein Drang in mir, mich mit der Linie und den Farben ständig zu befassen."
Ein innerer Drang lässt ihn nicht nur Farbe und Papier in die Hand nehmen, sondern auch Bleistift und Notenblätter. Das weiß kaum jemand, denn seine wenigen Kompositionen entstehen in seiner Jugendzeit im Erzgebirge. Fast 50 Jahre schlummerten sie im Verborgenen; erst vor fünf Jahren gräbt ein Freund des Künstlers die Stücke aus und bringt sie zum Klingen. Für Johannes Schreiter war nicht von Anfang an klar, mit welchen Mitteln er sich ausdrücken möchte, ob durch Musik oder Malerei. Er entscheidet sich für die Malerei, auch, weil er mit seinem linken Arm nach einer Verletzung nicht mehr intensiv Geige spielen kann.
Doch der Weg zur Bildenden Kunst ist kein leichter. Die Suche nach seinem eigenen Stil nach dem Studium in Münster, Mainz und Berlin ist schwierig. Dabei entwickelt Schreiter einen bisher noch nicht dagewesenen Bildtyp, mit dem er Kunstgeschichte schreibt: die Brandcollage. "Das war sehr schwer – die Jahre, wo ich auf der Suche nach mir selbst war. Herausgekommen ist dann schließlich die Schönheit, die das Feuer auf Papier hinterlässt, die verbrennen oder nur angekokelt werden oder der Rauch, der beispielsweise von einer Kerze erzeugt wird, was der für Formen und Gebilde auf Papierbögen hinterlässt. Das hat mich so in seinen Bann gezogen, dass ich dann schließlich einen Bildtyp entwickelte, die so genannten Brandcollagen." Die verbrannten, empfindlichen Papiere werden fixiert und zu einer Collage verbunden.
Anfang der 60er Jahre dann kommt Schreiter auch zum ersten Mal mit dem Werkstoff Glas in Berührung. Gleich seine ersten Arbeiten sind hoch beachtet. Glas fasziniert den Künstler. Das wechselnde Licht beispielsweise am Morgen, auch an trüben Regentagen oder an einem sonnigen Abend im Sommer unterstreichen oder verändern seine Werke auf einmalige Art und Weise. "Der Entwurf sieht manchmal schon ziemlich vollkommen aus", sagt der 80-Jährigen. "Aber wenn es dann in Glasform gesetzt ist, dann begreift man, dass der Entwurf nur ein armer Schlucker ist. Es kommt so viel dazu durch.
So wie der tief gläubige Schreiter mit Licht und Farbe arbeitet, genügt nicht nur ein einfacher Blick auf seine Werke. Immer wieder kann man sich auf seine Bilder, ob auf Papier oder Glas, einlassen, in Ruhe schauen, in einen Dialog treten. Und wer einmal im Glasmuseum in seiner jetzigen Heimatstadt Langen vor Schreiters Fenstern gestanden hat, der weiß, wie schwer es ist, sich loszueisen und zu gehen. Denn irgendwie ist man nie fertig mit dem Schauen. "Ein Plakat, das für irgendeinen Artikel wirbt, ist in der Bildenden Kunst – das kann sehr gut sein, auch, aber es ist Fast Food. Es wird ausgelesen, dann kann es eigentlich weg. Und gegen diese Tendenz des Bilderlesens steht beispielsweise meine und auch die vieler anderer Kollegen: Das Auslesen, das Aufnehmen dessen, was man sieht, zu verzögern, möglichst lange in Gang und wach zu halten. Damit man möglicherweise ein Leben lang immer wieder Neues darin entdeckt."
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