
Am 24. Dezember kann der Frankfurter Fischer Verlag den Geburtstag seines Gründers Samuel Fischer feiern. Vor 150 Jahren wurde dieser bedeutende Verleger geboren.
Samuel Fischer, ein Jude, der aus einem kleinen ungarischen Dorf stammt, legt Ende des 19. Jahrhunderts so etwas wie eine Tellerwäscher-Karriere hin: Er ist das dritte von fünf Kindern des Kaufmanns Carl Fischer und seiner Frau Minna. Nach seiner Jugend in Ungarn reist Fischer 1874 nach Wien, um dort eine Lehre als Buchhändler zu machen. Um 1879 herum sucht er sein Glück in Berlin, 1886 gründet er mit gerade mal 26 Jahren den Verlag S. Fischer mit Sitz in der Mohrenstraße 10.
Er fängt mit Eisenbahn-Kursbüchern an, verdient sich aber schon bald mit Ibsen und dann Zola sowie Dostojewski erste literarische Lorbeeren. Wenige Jahre später nimmt der Verleger einen noch unbekannten jungen Dramatiker namens Gerhart Hauptmann unter seine Fittiche. S. Fischer wird fortan zum Forum für die deutschen Naturalisten - und der Aufstieg seines Verlegers zu einer großen Erfolgsgeschichte.
Doch das Leben im aufstrebenden Preußen bleibt stets zwiespältig - Fischer muss immer auch mit Judenhass rechnen. Deshalb lässt er sich im für seine liberalen Gesetze bekannten Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha einbürgern.
1897 sendet ein 21-Jähriger eine Novelle an den Verlag: Es ist der junge Thomas Mann . Sein erstes Buch erscheint bei S. Fischer dann ein Jahr später. Die "Buddenbrooks" kommen kurz nach der Jahrhundertwende heraus. Der Roman ist - bis heute - die wichtigste Erfolg des Verlags. Später gelingt es Samuel Fischer, über den Ersten Weltkrieg hinweg, die wichtigsten Autoren der literarischen Moderne in Deutschland um sich zu scharen. Dabei hält er sich selbst meist im Hintergrund.
Als Samuel Fischer am 15. Oktober 1934 im Alter von 74 Jahren stirbt, ist er schon so krank, dass er nicht mehr mitbekommt, wie die Nationalsozialisten seinem Haus und seinen Autoren zusetzen. Schon vorher hatte er den Verlag in die Hände seines Schwiegersohns Gottfried Bermann Fischer gelegt.
1936 wird S. Fischer geteilt: Bermann Fischer geht zuerst nach Wien und später ins Exil nach Stockholm und New York. Peter Suhrkamp, der 1936 einen Teil des Verlags gekauft hatte, versucht in Berlin unter schwierigen Bedingungen für S. Fischer weiterzuarbeiten. Nach dem Zweiten Weltkrieg fällt der Verlag wieder an Bermann Fischer. Peter Suhrkamp gründet einen eigenen Verlag und nimmt einen Teil der Autoren mit.
Beide Häuser lassen sich in Frankfurt nieder, S. Fischer geht in den 1960er Jahren an die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck über. Das heutige Programm beinhaltet neben deutschsprachigen und internationalen Gegenwartsautoren einen Sachbuchbereich und eine Sparte für Moderne Klassiker.
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Quelle: hr-online
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