Neue Stiftung für das Leitz-Haus in Wetzlar

Leitz-Haus-WetzlarDas "Haus Friedwart" in Wetzlar ist ein einmaliges Jugendstil-Ensemble in Deutschland. Eine neue Stiftung will den früheren Wohnsitz der Unternehmerfamilie Leitz, der die Welt die legendäre "Leica" verdankt, als Kulturstätte erhalten.

In Wetzlar erfand Oskar Barnack die Kleinbildkamera, die Unternehmerfamilie Leitz stellte sie später in Serie her und brachte die damals revolutionäre Erfindung auf einen weltweiten Markt . Bis heute ist der Name "Leica" ein Begriff. Mit dem "Haus Friedwart" hatte sich Ernst Leitz junior einen Wohnsitz errichten lassen, der durch die Einheit von Architektur und Inneneinrichtung ein besonderes Juwel ist. Der Enkel des Firmengründers hat jetzt eine Stiftung gegründet, um dieses Ensemble zu erhalten und neue Nutzungen zu ermöglichen.

"Deutsches Haus in deutschem Land / in Deutschlands schwerer Zeit entstand / Friedwart wurde es genannt / schirm‘ es Gott mit seiner Hand. Die Bauzeit war von Oktober 1914 bis Mai 1017."

Dies steht in der Halle des Hauses Friedwart ins Holz eingraviert. In dieser Halle sind sie alle angekommen, hier gab es Lesungen und Konzerte, hier war das Leben, "... eingerichtet mit Möbeln, alle von Bruno Paul entworfen, die den floralen Jugendstil verkörpern", sagt einer der Erben, Knut Kühn-Leitz. Er kennt das Haus, er hat hier gelebt, 45 Jahre lang. "Ich bin sehr froh, Teil dieser Geschichte zu sein", die Geschichte der Familie Leitz und damit auch der Stadt Wetzlar.

Wetzlarer Sehenswürdigkeit

Knut Kühn-Leitz ist der Urenkel des Firmengründers, Ernst Leitz I. Er war der letzte Spross der Dynastie, die dem Familienunternehmen vorstand, bis 1986, und er hat gelebt in einem Haus, das sich sehen lassen kann, das sich auch gerne zeigt. Die floralen Elemente sind überall zu sehen: Blumen auf Möbeln, der Tapete und auf Ausstellungsstücken. Die außergewöhnliche Innenarchitektur honorieren nicht nur die Wetzlarer. Seit fünf Jahren gibt es Führungen – immer überbucht, denn Haus Friedwart sei eine Sehenswürdigkeit, erklärt die Leiterin der Tourismus-Information, Regina Maiworm, und die ehrenamtliche Stadträtin Sigrid Kornmann ergänzt: "Von dieser Familie ging ja auch ein unglaublich soziales Gewissen aus, und das hat die Menschen immer neugierig gemacht, wie hat diese Familie gelebt?"

Kultur für Wetzlar

Viel los war hier immer, sagt Kühn-Leitz, seine Mutter habe das kulturelle Leben in Wetzlar geprägt: Else Kühn-Leitz - wer diesen Namen hört, weiß Bescheid. Im Musikzimmer dominiert noch heute der Flügel, auf dem gespielt wurde, und gleich nebenan das Esszimmer der Familie Leitz, eine Tafel für 20 Gäste. Aber es gibt im Haus auch Ruheoasen, etwa der Balkon mit Blick auf den Garten: "Mein Großvater war ein sehr naturverbundener Mensch. Im Sommer habe ich ihn hier oft sitzen sehen. Wenn so ein Gewitter kam – das liebte er besonders, die ganze Entwicklung eines Gewitters, hier zu sitzen und das zu beobachten", erzählt Kühn-Leitz.

Einmaliges Ensemble

Die Stiftung soll das alles erhalten: "...einmal die Erinnerung an Ernst Leitz, den Wegbereiter der Leica", erklärt Kühn-Leitz. "Und dann ist natürlich dieses Haus einmalig in Deutschland: Dieses Ensemble ist heute so, wie es 1917 eingerichtet wurde, und das Andenken daran auf Dauer zu wahren, ist uns ein großes Anliegen" – damit Haus Friedwart bleibt, was es war: ein Ort mit und zum Leben."

Quelle: hr-online / Ein Beitrag von Matthias Decher in hr2-kultur