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47 Schriftsteller und Autoren hatten sich mit ihren literarischen Projekten für den hessischen Literaturpreis beworben. Keine leichte Aufgabe für die drei Juroren, sich auf die Preisträger festzulegen: Eva Demski (Frankfurt), Karl-Heinz Götze (Aix-en-Provence) und Christoph Schröder (Frankfurt) waren mit dieser Aufgabe gefordert.
"Dass mit dem sprachmächtigen, komischen Lyriker Thomas Gsella ein Mitstreiter von Robert Gernhardt den nach ihm benannten Preis erhält, freut mich ganz besonders", sagte der Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK), Ingmar Jung, bei der Preisverleihung. Und die hessische Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann ließ ausrichten: "Ein sprachmächtiger, komischer Lyriker und ein Autor, der sich mit Ironie und Sprachgefühl des medialen Umgangs mit historischer und aktueller gesellschaftlicher Realität annimmt – beide Autoren stehen in der Tradition des großen Satirikers und Moralisten Robert Gernhardt."
Thomas Gsella ist einer der Nachfolger von Robert Gernhardt bei der Frankfurter Satire-Zeitschrift "Titanic". Zusammen mit dem Karikaturisten-Duo Greser & Lenz arbeitet er an dem Lyrik-Projekt "Tiere und Reime", für das er Zeichnungen der beiden Cartoon-Künstler in Reime fasst. Dafür ist er ausgezeichnet worden.
"In seinen komischen, zuweilen bissigen, zuweilen wehmütigen Gedichten bezieht er sich auf Zeichnungen der bekannten Karikaturisten Greser & Lenz. Beide Kunstformen bereichern sich gegenseitig, sie kommentieren einander, sie kommunizieren miteinander", heißt es in der Begründung der Jury. Zudem überzeuge Gsella "mit seinem intelligenten Witz und mit seinem sicheren Gefühl für die Form"
Krieg und FilmgeschäftIn seinem Romanprojekt "Das Geschäft mit den Träumen" nimmt der zweite Preisträger, der Lyriker, Übersetzer und Romancier Matthias Göritz, Krieg und den zeitgenössischen Kultur- und Medienbetrieb unter die Lupe. Ein älterer Filmproduzent will den propagandistischen Anlass für die Entfesselung des Zweiten Weltkriegs – den von den Nationalsozialisten fingierten Überfall auf den Radio-Sender Gleiwitz im damaligen Oberschlesien – verfilmen.
"Wie gut Krieg und Filmgeschäft, wie gut Gewalt und Gewinn zusammenpassen, erzählt Matthias Göritz mit historischer Genauigkeit, detaillierter Sachkenntnis und sprachlichem Raffinement", befand die Jury.
Der Preis will an Robert Gernhardt (gestorben 2006), den großen Frankfurter Dichter, Schriftsteller und Zeichner, erinnern. Er soll Autorinnen und Autoren aus Hessen die Realisierung eines größeren literarischen Projekts ermöglichen. Es werden jährlich zwei gleichwertige Auszeichnungen mit einem Preisgeld von je 12.000 Euro ausgelobt.
Der Preis wird seit 2009 vergeben. Erste Preisträger waren der aus Bad Nauheim stammende Frankfurter Autor Andreas Maier mit seinem Romanprojekt "Ortsumgehung" (Suhrkamp, Herbst 2010) und die Frankfurter Autoren Elsemarie Maletzke und Christian Golusda mit ihrem gemeinsamen Reise-Reim-Projekt "Frau M grüßt herzlich Dr. Krittel". 2010 wurden Peter Kurzeck für sein Romanprojekt "Vorabend" und Andreas Martin Widmann für sein Romanprojekt "Die Glücksparade" ausgezeichnet.
Quellen: hr-online, HMWK