Überraschender Archäologie-Fund in Mainhausen

 gemeinde-mainhausenDie Gemeinde Mainhausen-Zellhausen ist zwischen Spessart und Odenwald gelegen. Ein gut erhaltenes Skelett ist bei Grabungen am Zellhügel westlich von der Gemeinde entdeckt worden. Dort spürt seit 2009 einer Befestigungsanlage nach, deren Mauer einst ein etwa 10 000 Quadratmeter großes Areal umschloss.

 Der Heimatforscher Karl Nahrgang entdeckte die Mauerreste 1953. Die Helfer, Mitarbeiter der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Offenbach und Mitglieder des Geschichts- und Heimatvereins Mainhausen, stießen an der Außenseite des Fundaments auf das Skelett, dem Hände und Füße fehlen. Offenbar wurde an der Person eine drastische Leibesstrafe vollzogen. Eine anthropologische Untersuchung soll klären, ob es Hiebspuren an den Knochen und weitere Verletzungen gibt. Geschlecht und Alter werden ebenfalls bestimmt. Bestattet wurde der oder die Tote nicht in geweihter Erde: Der ehemalige Friedhof der Zellkirche liegt etwa 20 Meter entfernt.

Die Frage, welchem Zweck die einstige Befestigungsanlage selbst diente, von der oberirdisch nichts mehr zu sehen ist, lässt sich bisher nicht eindeutig beantworten. Die dendrochronologische Untersuchung von Eichenpfählen, deren Reste im vergangenen Jahr aus einem Graben geborgen wurden, ergab, dass die Bäume um das Jahr 937 gefällt wurden. Ein zweiter Graben dürfte noch älter sein.

Um 830 hatte Einhard, der Berater und Biograph Karls des Großen, im benachbarten Seligenstadt begonnen, die Basilika zu errichten. Gleichzeitig entstand das Benediktinerkloster. Emma, die Tochter Karls des Großen und Gemahlin von Einhard, soll am Zellhügel ein Frauenkloster gegründet haben, aus dem das Dorf Cellingen hervorgegangen sei. Beweise dafür gibt es allerdings nicht.

1344 wurde in einem Dokument erstmals die Zellkirche auf dem Zellhügel erwähnt, die 1816 abgerissen wurde. In dem älteren Graben entdeckten die Bodendenkmalpflegerinnen des Kreises, Gesine Weber und Dagmar Kroemer, Keramikscherben aus dem neunten und frühen zehnten Jahrhundert. Angespitzte Holzpfähle, die schräg in den Sandboden des jüngeren Grabens geschlagen waren, erlaubten es, mittels der Jahresringe das Alter zu bestimmen.

Nach Angaben von Bürgermeisterin Ruth Disser (SPD), die sich gestern gemeinsam mit der Ersten Kreisbeigeordneten Claudia Jäger (CDU) einen Eindruck von der Grabung verschaffte, wurden dort Fundamente neu entdeckt, die offenbar zu einem Keller gehören. Zahllose Teile des bunt bemalten Wandverputzes deuten darauf hin, dass es sich um ein bedeutendes Gebäude handelte. Ein dunkelblaues Glasgefäß, das ans Tageslicht kam, stammt aus dem 16. Jahrhundert. Bei einem kleinen Fundstück aus Bronze dürfte es sich um eine Buchschließe handeln.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv". Erstveröffentlichung 01.11.2011 Seite 46, Autor: es.