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Sakrale Bauten in Hessen, seien es Klöster, Kirchen, Basiliken oder einfache Kapellen, gibt es zahlreich. Eines, das Kloster Lorsch, gehört zum Weltkulturerbe. Andere, wie das Kloster Eberbach in Eltville im Rheingau oder die Stiftsruine in Bad Hersfeld, haben ihren Ruf in die Welt getragen als Orte kulturell bedeutender Festspiele. Dagegen sind die Elsabethenkirche in Marburg oder der Dom in Limburg oder Frankfurt Stätten kirchlicher Andacht geblieben.
An dieser Stelle im Kulturportal haben wir Mitte Mai 2009 damit begonnen, Ihnen wichtige Stätten sakraler Baukunst vorzustellen. Der Reichtum dieser kulturellen Sehenswürdigkeiten wird uns noch eine Weile daran arbeiten lassen.
Frankfurt, 12.5.2009
11.05.09

Fast 1300 Jahre christlicher Geschichte spiegeln sich in der Stiftsruine, vom Beginn der Missionierung durch Sturmius im Jahr 736 bis heute. Vier Kirchenbauten folgten an gleicher Stelle aufeinander, jeder den vorangehenden an Größe übertreffend. Mit dem Bau der letzten, heute als Ruine erhaltenen Kirche begann Abt Meginher im Jahr 1038. In dieser Zeit entwickelte sich ein neuer Baustil, der romanische, an dessen Beginn die Hersfelder Klosterkirche steht.
Die Hersfelder Klosterkirche gehört zu den ganz wenigen kaum veränderten Bauten, trotz der Zerstörungen durch den verheerenden Brand im Jahr 1761.
Sie gilt als die größte romanische Basilika nördlich der Alpen und ist heute die größte romanische Kirchenruine der Welt.
Hin und wieder fanden in der Ruine festliche Veranstaltungen und Choralaufführungen statt. Dies griff man nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf und veranstaltete dort seit 1951 die Bad Hersfelder Festspiele.
Stiftsruine
Im Stift
36251 Bad Hersfeld
Fon: 06621- 201274
Öffnungszeiten:
Mitte März bis Ende Oktober

Mit eindrucksvollen Bauten vor allem aus dem 12. bis 14. Jahrhundert ist Kloster Eberbach das bedeutendste mittelalterliche Gesamtkunstwerk in Hessen. Daneben sind in Kloster Eberbach insbesondere barocke Baulichkeiten erhalten, die im Zusammenspiel mit romanischer und frühgotischer Architektur ein einzigartiges bauliches Ensemble von großer Ausdruckskraft formen. Über eine Million Euro hat sich das Land Hessen die Sanierung von Bauwerken kosten lassen, die eindrucksvoll zwei wichtige Epochen der Eberbacher Geschichte symbolisieren. Das Abtsgartenhaus mit dem Prälatengarten ist Ausdruck des barocken Lebensgefühls in der Endphase der Klosterzeit Anfang des 18. Jahrhunderts während das Armarium für die Strenge und Einfachheit des zisterziensischen Klosterlebens Mitte des 12. Jahrhunderts steht.
Stiftung Kloster Eberbach
Klosterverwaltung
65346 Eltville (Rheingau)
Fon: 06723-9178-115
Öffnungszeiten:
täglich April - Okt. von 10 bis 18 Uhr, Nov. - März von 11 bis 17 Uhr

Als evangelisch-lutherische Hauptkirche der Stadt Frankfurt am Main wurde die Paulskirche ab 1789 errichtet. Nach mehreren Bauunterbrechungen wurde sie erst vierzig Jahre später von Stadtbaumeister Johann Christian Hess vollendet. Am 9. Juni 1833 wurde das Gotteshaus eingeweiht. Der elliptische Zentralbau aus dem für das Untermaingebiet typischen Rotsandstein ist ein bedeutendes Monument klassizistischer Architektur in Deutschland.
Da es in Frankfurt keinen anderen geeigneten Tagungsort gab, zog die Nationalversammlung, das erste deutsche Parlament, am 18. Mai 1848 in die Paulskirche ein.
Die Paulskirche symbolisiert wie kein anderer Ort die Tradition einer demokratischen und freiheitlichen Verfassung für die deutsche Nation. Die hier von der ersten Deutschen Nationalversammlung am 28. März 1849 verabschiedete Reichsverfassung mit ihren „Grundrechten des Deutschen Volkes“ hat die Weimarer Verfassung von 1919 und das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland von 1949 geprägt.
Seit dem 24. Oktober 1852 wurde die Paulskirche wieder als Gotteshaus genutzt. Den letzten Sonntagsgottesdienst feierte die Paulsgemeinde hier am 12. März 1944. Bei den Bombenangriffen auf die Frankfurter Altstadt am 18. und 22. März 1944 wurde auch die Paulskirche fast völlig zerstört, wurde jedoch unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut. In zeitgemäß vereinfachter Gestalt konnte sie bereits am 18. Mai 1948, zur Hundertjahrfeier der Deutschen Nationalversammlung, wiedereingeweiht werden. Von 1986 bis 1988 wurde die Paulskirche grundlegend saniert und künstlerisch ausgestaltet, unter anderem mit dem 1991 fertig gestellten Wandbild von Johannes Grützke in der Wandelhalle.
Seit ihrer Wiedereröffnung 1948 ist die Paulskirche kein Gotteshaus mehr. Sie wurde zur politischen Gedenkstätte umgewidmet. Ihr Plenarsaal dient heute als Ort besonderer Festakte und bedeutender Preisverleihungen.
Paulskirche
Paulsplatz
60311 Frankfurt
Fon: 069-281098
Öffnungszeiten: täglich 10-17 Uhr
Limburg | Dom

Zwei Vorgängerbauten errichtete man bereits auf dem Felsen an der Lahn, bevor im späten 12. und frühen 13. Jahrhundert die dreischiffige, gewölbte Emporenbasilika auf kreuzförmigen Grundriss entstand. Während dieser war sie das liturgische Zentrum des Kollegiatsstiftes St. Georg, einer Klerikergemeinschaft, die der fränkische Adlige Konrad Kurzbold im Jahre 910 gegründet hatte. Andererseits diente sie der Limburger Stadtpfarrei St. Nikolaus, d.h. einer Laiengemeinde, als Pfarrkirche.
Die wechselvolle Geschichte des Stifts währte bis zur Säkularisation im Jahre 1803, als die Klerikergemeinschaft aufgelöst wurde und ihre Besitztümer in das Eigentum des nassauischen Staates übergingen. Im Jahre 1827 wurde Limburg zum Bistum und damit die mittelalterliche Kirche zur Kathedrale erhoben.
Nach einer barocken Überformung Mitte des 18. Jahrhunderts, erfolgten in den beiden vergangenen Jahrhunderten umfangreiche Restaurierungen. Am Außenbau wurde in den 1870er Jahren der mittelalterliche Verputz vollständig entfernt und es entstand der steinsichtige Felsendom. Erst durch eine umfangreiche Fassadenuntersuchung in den späten 1960er Jahren, erfolgte von 1971-1974 die Außenrestaurierung des Bauwerks, wodurch es seine farbige Außenhaut erhielt.

Heute präsentiert sich der mittelalterliche Bau mit cremfarbigen Grundflächen und farbig abgesetzten Architekturformen (vorwiegend in rot, ockergelb und schwarz). Von welcher Seite man sich der Kirche auch nähert, die auf Fernwirkung angelegte, vielfältige, dekorative Architektur präsentiert eine reichere, akzentuierte neue Gliederung und Wirkung.
Das Innere des Domes zeichnet sich durch eine umfangreiche bauzeitliche Ausmalung aus, die das Bauwerk zu einem Highlight mittelalterlicher Baukunst macht.
Limburger Dom
Domplatz 3
65549 Limburg
Fon: 06431-9297990

Seit 1991 gehört das Kloster Lorsch mit der berühmten rund 1200 Jahre alten Königshalle zum UNESCO Welterbe. Der Bau steht heute stellvertretend für die großartige Architektur des einst bedeutendsten Glaubens- und Kulturbrennpunkts des Frankenreiches. Das Kloster Lorsch, 764 erstmals urkundlich erwähnt, gehört zu den bedeutendsten klösterlichen Zentren aus karolingischer Zeit. Von Karl dem Großen mit Privilegien ausgestattet, entwickelte es sich im Mittelalter schnell zu einem mächtigen Kloster mit reichem Grundbesitz von der Nordsee bis zu den Alpen. Lorsch war ein Ort, an dem antikes Wissen für die abendländische Kultur überliefert wurde.
1557 im Zuge der Reformation aufgelöst, wurden 1621 die Gebäude bis auf wenige Reste zerstört und abgetragen. Nur noch die Königshalle, ein romanischer Kirchenrest, die Zehntscheune und die Umfassungsmauer sowie die archäologischen Funde lassen die einstige Dimension ahnen.
In unmittelbarer Nachbarschaft liegt heute ein Museumszentrum mit klostergeschichtlichen Informationen, volkskundlichen und tabakgeschichtlichen Abteilungen. Auch Sonderausstellungen sind hier zu sehen.
Kloster Lorsch und Museumszentrum Lorsch
Nibelungenstrasse 32 und 35
64653 Lorsch
Fon: 06251-103 820
Öffnungszeiten:
Das Klostergelände mit der Tor- oder Königshalle und die beiden Kräutergärten sind ganzjährig täglich bis Einbruch der Dunkelheit geöffnet und frei zugänglich.
Das Museumszentrum ist ganzjährig geöffnet von Di - So und feiertags von 10 - 17 Uhr. (Am 1. Januar, Fastnachtsdienstag und 24. Dezember geschlossen.)

Die Kirche wurde 1235-83 über dem Grabe der Heiligen Elisabeth erbaut und wurde eine der bedeutendsten Wallfahrtsstätten des Abendlandes. Kunstgeschichtlich nimmt sie einen hohen Rang ein. Sie ist die frühste rein gotische Kirche Deutschlands . Ihre Baumeister schufen hier in eigenständiger Weiterprägung des Vorbildes der französischen Kathedralen den Typus der gotischen Hallenkirche, der für die weitere Entwicklung der Gotik in Deutschland maßgeblich wurde.
Der äußere Eindruck wird von den aufstrebenden Linien der Strebepfeiler bestimmt, die im Wechsel mit den gotischen Fenstern das ganze Bauwerk aus Sandstein in gleichmäßiger Aufreihung quasi "umklammern". Die Türme der Elisabethkirche sind etwa 80 m hoch. Gekrönt werden die beiden Türme von einem Stern (Nordturm) und einem Ordensritter (Südturm). Der Sandsteinbau hat einen kreuzförmigen Grundriss, wobei die Halle aus drei Schiffen besteht, die jeweils über 20 m Gewölbehöhe erreichen, und in einen dreigliedrigen Chorbau aus Elisabethchor, Hohem Chor und Landgrafenchor mündet.
Dazwischen befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Hochaltar die durch einen steinernen, 1343 errichteten Lettner vom Hauptschiff abgetrennte Vierung. Auf dem Kreuzaltar vor dem Lettner steht ein Kruzifix von Ernst Barlach, das der Kirche 1931 zum 700. Todestag Elisabeths gestiftet wurde.
Elisabethkirche
Elisabethstrasse 1
35037 Marburg
Fon: 06421-65573

Die Einhardsbasilika in Steinbach, einem Ortsteil von Michelstadt im hessischen Odenwald, ist ein Kirchenbau aus dem 9. Jahrhundert. Die gut erhaltene Basilika gilt als außergewöhnliches und wegen des noch zum Großteil erhaltenen karolingischen Mauerwerks im Bereich des Mittelschiffs, des nördlichen Nebenchors und der Krypta als eines der wenigen Beispiele für karolingische Baukunst in Deutschland. Ihr Name bezieht sich auf ihren Erbauer Einhard, den Ratgeber Karls des Großen und Ludwigs des Frommen, der auch Gründer der Benediktinerabtei in Seligenstadt war.
Einhardsbasilika
Schlossstraße 17
64720 Michelstadt
Fon: 06061-73967 oder -967707
Öffnungszeiten:
April - November von Dienstag - Sonntag von 10:00 bis 17:00 Uhr, freitags nur von Außen zu besichtigen

Es gibt nur wenige nahezu vollständig erhaltene Klosteranlagen des Mittelalters in Hessen. Eine davon ist das ehemalige Benedektinerkloster in Seligenstadt mit seinen Klausur- und Wirtschaftsgebäuden sowie der - die Abtei umschließenden - rund 700m langen Klostermauer. Sie wurde im Jahr 828 von dem Künstler und Gelehrten Einhard auf den Resten einer römischen Siedlung am Übergang über den Main gegründet. Fast 1000 Jahre lang lebten hier Benediktinermönche. Die Klosterkirche, nach ihrem Gründer auch "Einhards-Basilika" genannt, ist einer der größten karolingischen Kirchenbauten nördlich der Alpen. Die ehemalige Abtei mit den renovierten Klostergebäuden, den Museen, einer Prälatur, einer Klosterapotheke und dem berühmten, nach alten Plänen wieder angelegten Klostergarten ist heute ein Besuchermagnet.
Benediktinerabtei
63500 Seligenstadt
Fon: 06182/2 2640 (Museum)
Öffnungszeiten:
März-Oktober Di - So von 10 - 18 Uhr
Februar, November - 21. Dezember Di - So von 10 - 16 Uhr
Der Klostergarten ist ganzjährig frei zugänglich, in den Sommermonaten bis 20.00 Uhr, sonst bis Einbruch der Dunkelheit.
Bilder: Wikimedia Commons