Kinostart von ZETTL in Hessen

zettlNicht so oft hagelt es schlechte Kritiken im Feuilleton: Aber Regisseur Helmut Dietl konnte einige sehr kritische Besprechungen lesen. Ob dies auch die erprobte Filmkritikerin des HR, Daniella Baumeister, so teilt, das verrät die folgende Übernahme von hr-online.

Die Erwartungen an "Zettl" mit seinem exquisiten Darsteller-Ensemble um Michael Bully Herbig sind hoch, ist der Film doch ein Nachfolger der Erfolgsserie "Kir Royal". Michael Bully Herbig hat in den letzten Filmen auch letzte Zweifel ausgeräumt. Der Mann ist nicht nur ein genialer Regisseur, sondern auch ein guter Schauspieler. Wenn der jetzt mit einem wie Helmut Dietl zusammen käme? Dann muss doch ein super Film rauskommen. hr1 Kinofrau Daniella Baumeister findet, Dietl ist noch besser als beim Vorgänger Kir Royal, Herbig ist ganz anders als damals Franz Xaver Kroetz als Baby Schimmerlos und absolut umwerfend. Macht "Zettl" zu einem ganz großen Kinospaß.

Max Zettl ist jung und ehrgeizig. Er will unbedingt Karriere machen. Zettl hat einen großen Vorteil: Er kennt jeden und weiß alles. Vor allem das, was niemand wissen darf. Mit viel Charme und ganz ohne Skrupel steigt er auf vom Chauffeur zum Chefredakteur. Der prollige Promijäger fährt seine Clientel jetzt nicht mehr durch die Stadt, sondern lauert ihr zusammen mit dem alten Paparrazzo Herbie auf.

Es gibt viel Klatsch und Tratsch in der Berliner Republik, viele Schöne, noch mehr Schamlose, Halbprofis und Volltrottel und natürlich Politiker, die nicht immer alles sagen, was sie wissen, nicht immer überall Bescheid wissen, worüber sie reden und dabei auch nicht immer bei der Wahrheit bleiben. Genau das Richtige für Zettl, seine Nase reinzustecken. Dass er dabei aber schnell nicht nur prominente Affären um Partnertausch und Schwangerschaften riecht, sondern einen ganz großen Skandal, hätte er selbst nicht gedacht.

25 Jahre nach "Kir Royal" wagt Regisseur Helmut Dietl eine Fortsetzung seiner Klatschreporter-Enthüllungsserie. Das ist eigentlich riskant, denn einen Geniestreich zu toppen geht normalerweise schief. Hier nicht. Dietl verlegt den Ort des Geschehens von München nach Berlin, denn dort ist einfach mehr los. Ähnlichkeiten mit tatsächlich existierenden Personen oder Geschehnissen sind nicht zufällig, sondern ausgesprochen gewollt, dafür sorgen Dietl und sein Drehbuch-Co-Autor Benjamin von Stuckradt-Barre.

Die Starriege um Michael Herbig sorgt auch dafür, dass man sich im Kino gnadenlos gut amüsiert. "Zettl" ist schräg und bissig, böse und brutal und wunderbar rabiat überzeichnet. Bully Herbig und Karoline Herfurth, Dieter Hildebrandt und Senta Berger, Harald Schmidt, Götz George und die anderen laufen absolut zur Hochform auf. Einzig das Bayerische ist manchmal etwas schwer zu verstehen. Aber da geht es den Berlinern wohl ähnlich. Was einen Teil des Reizes der Story ausmacht.

Quelle: hr-online / Ein Beitrag von Daniella Baumeister in hr1

Bild: Filmproduktion