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Die Sammelaktion für die Ausstellung „Chinesische Dinge – Chinese Stuff“ ist abgeschlossen. An die 80 ganz unterschiedeliche Objekte wurden im Museum für Angewandte Kunst abgegeben und sind in einer wechselnden Auswahl ab dem 22. Februar im Museum zu sehen.
China wurde in den vergangenen dreißig Jahren so grundlegend verändert, dass es vielen Menschen zunehmend schwer fällt, sich ihrer eigenen kulturellen Wurzeln als Chinesen zu vergewissern. Vor allem ist es die Geschwindigkeit, mit der das alte China entsorgt und durch eine eher sterile, auf diffuse Weise international-moderne Lebensform ersetzt wird, was den Menschen zu schaffen macht.
Die Reihe „Essentially Chinese" der POPCORN IDEA FACTORY aus Peking möchte Geschichten erzählen, die sich hinter alltäglichen Dingen, Personen, Gebäuden, und weiteren Aspekten des modernen China verstecken. Aus dem ästhetischen und sozialen Blickwinkel analysiert die Reihe das Image Chinas grundlegend wie aktuell und will dabei zu mehr Diversität und Perspektiven bei der Annäherung an die chinesische Kultur anregen.
Vor diesem Hintergrund gewinnt das Projekt „CHINESISCHE DINGE", das Teil der Reihe ist, seine besondere Bedeutung. Es ist die Suche nach Dingen, die eine spezifisch chinesische Qualität haben, und der Versuch, diese in einem Buch und einer Ausstellung vorzustellen und hinsichtlich ihrer gesellschaftlich-kulturellen Bedeutung zu analysieren.
Die Ausstellung möchte zeigen, wie dieses Land „tickt" wie das Leben in China verläuft, - und für die Chinesen selbst mag es angesichts der immer mehr um sich greifenden Internationalisierung und kulturellen Verflachung eine Form der Selbstvergewisserung sein – vielleicht auch mit einer gewissen Nostalgie im Blick.
Das Projekt war von vorn herein als ein internationales konzipiert - das 2009 zur Frankfurter Buchmesse herausgekommene Buch erschien gleichzeitig in Chinesisch, Englisch und Deutsch - es richtet sich somit an eine internationale Öffentlichkeit... vielleicht könnte man sagen an China selbst (und seine asiatischen Nachbarn) ebenso wie an die angelsächsische Welt und Kontinentaleuropa.
Vor dem Hintergrund des Aufstiegs Chinas zur Weltmacht des 21. Jahrhunderts gewinnen Projekte wie diese zweifellos auch über China hinaus Bedeutung, erklären sie uns doch, wie dieses Land tickt, wie das Leben in China abläuft - und für die Chinesen selbst mag es angesichts der immer mehr um sich greifenden Internationalisierung und kulturellen Verflachung eine Form der Selbstvergewisserung sein – vielleicht auch mit einer gewissen Nostalgie im Blick.
Für ein Museum der Dinge wie das Frankfurter MUSEUM FÜR ANGEWANDTE KUNST, in dem gleichermaßen mittelalterliche Möbel, Ming-Porzellan, Perserteppich, Jugendstilglas, Stundenbücher, politische Plakate, Rasierapparate, Radios und Tamagochis im Focus stehen, mögen die geblümte Thermoskanne, die geschlitzte Kinderhose oder der elektrische Fliegenfänger "made in China" zunächst als Banalitäten erscheinen. Doch in einem kulturanthropologischen Sinne verraten sie viel über ein Land, das wir in seiner Alltagskultur oftmals kaum verstehen. Einen wichtigen Anteil am besseren Verständnis haben die kenntnisreichen Ausführungen der Popcorn Idea Factory im Buch.
Dass dieses Buch nun auch zur Ausstellung wird, ist einer Initiative Peter Schneckmanns zu danken, der dieses Buch auf der Messe in Frankfurt entdeckte und die heutigen Partner in Peking und Frankfurt für das Projekt gewinnen konnte. Es ist ein Novum, dass wir, Peter Schneckmann von der DRACHENBRÜCKE und Stephan von der Schulenburg als Asien-Kurator des Museums, hier ein Team von chinesischen Akademikern einladen, uns ihren Blick auf das China von heute zu vermitteln. Damit wird eine Kooperation fortgesetzt, die bereits 1993 mit einer Ausstellung zur Chinesischen Avantgarde mit dem Titel „Maos ungezähmte Kinder" begann.
Die Popcorn Idea Factory unter Leitung von Prof. WU Xuefu (im Foto rechts außen, links außen HUANG Yunwei) ist eine innovative Gruppe, die sich auf verlegerische Projekte fokussiert. Alle Mitglieder der Gruppe haben einen Hintergrund im Bereich Kunst und teilen ein tiefes Interesse an soziologischen Fragestellungen und der modernen Kultur. Die Popcorn Idea Factory möchte Pop Art als Element der modernen Kunstgeschichte aufrecht halten und strebt danach, die Verbreitung einer Kunst für die Massen mit internationalen Kunsttrends und chinesischer Ästhetik zu verbinden. Durch das Erzeugen kultureller Güter, die einfach zu verstehen, humorvoll, wahr-nehmend, charmant, modisch und populär sind, hofft die Popcorn Idea Factory das geistige Leben der Menschen zu bereichern. (Klappentext des deutschsprachigen Buchs zur Ausstellung).
Eröffnung: 22 Februar 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 23. Februar bis 27. Mai 2012
Museum für Angewandte Kunst Frankfurt
http://www.angewandtekunst-frankfurt.de