„Frankfurt Colours Quartet“ als Kulturdiplomaten unterwegs in China

Frankfurt-Colours-Quartet Zum ersten Mal wird im Dezember 2011 mit Hilfe des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst sowie der Stadt Frankfurt am Main ein neu gegründetes, multi-ethnisches Quartett auf Tour in befreundete Orte nach China geschickt.  Doch zuvor wird am 9. November 2011 im Frankfurter Kulturzentrum „DIE FABRIK“ Weltpremiere gefeiert.

Dass es in Hessen und insbesondere in Frankfurt am Main besondere Bemühungen gibt, die hier angesiedelten Nationalitäten auch kulturell besonders zu berücksichtigen und zu fördern, das ist kein Novum.  Initiativen wie der Hessische Weltmusikpreis „CREOLE“, die „Parade der Kulturen“  und viele andere Projekte legen davon Zeugnis ab.

Die Reihe „different colours“ in der „FABRIK“ in Frankfurt-Sachsenhausen setzt seit November 2010 die langjährige Reihe „local aliens“ fort, die Mitte der 90er Jahre von Peter Schneckmann gegründet wurde.

Im „Frankfurt Colours Quartet“ haben sich vier bekannte Musiker aus Frankfurt und weiteren Städten in Hessen vereint, die „different colours“  entweder als Kuratoren (Matthias Frey, Vassily Dück) oder als besonders erfolgreiche Musiker (Angela Frontera und Deniz Köseoglu) eng verbunden sind.  Sie alle haben sich auch seit Jahren bereits als Solisten oder in anderen Ensembles als herausragende Interpreten der Weltmusik einen Namen gemacht. Wohl deshalb hat sich der Hessische Rundfunk entschieden, die Geburt eines neuen Weltmusik-Quartetts  aus Hessen aufzuzeichnen und danach zu senden: Vorschusslorbeeren, die sich die vier Musiker sicher verdient haben.

In der neuen Formation „Frankfurt Colours Quartet“ spielen sie auf Initiative von Peter Schneckmann zusammen, der seit fast vierzig Jahren den Austausch zwischen Deutschland und China unterstützt und seit über fünfzehn Jahren Konzerte in Frankfurt organisiert. Er ist besonders der Weltmusikszene in Hessen sehr verbunden.  Anlass für die Neugründung eines hessischen Weltmusikquartetts mit ausdrücklich multi-nationaler Ausrichtung, ist eine Einladung in die südchinesische Perlfluss-Region, um an einer Kulturwoche in Shenzhen teilzunehmen. Geplant für Dezember sind nun unter anderem Konzerte bei zwei Veranstaltern aus der Freien Kulturszene in Guangzhou (verschwistert mit Frankfurt) und Changsha, Metropole der hessischen Partnerprovinz Hunan. Dabei stehen auch Sessions mit Musikern aus China auf dem Programm.

In die Musik des „Frankfurt Colours Quartet“ fließen die Erfahrungen der vier Musiker ein, die sie in ihrer jeweiligen Heimat gemacht haben: Pianist Matthias Frey stammt aus Deutschland, Vassily Dück am Bajan hat seine Wurzeln in Sibirien, die Percussion von Angela Frontera ist durch und durch brasilianisch, und schließlich bringt Deniz Köseoglu mit der Saz seinen türkischen Hintergrund mit ein.

Die gemeinsamen Probetage in der „FABRIK“ und auf dem „Apfelhof“ nahe Limburg, auf dem Matthias Frey ein Tonstudio betreibt und regelmäßig Konzerte organisiert,  haben bereits gezeigt, dass mit einem sehr hörenswerten Konzept gearbeitet wird. Zuvor vertraute Kompositionen werden neu arrangiert, instrumentiert und interpretiert. Gemeinsam werden die musikalischen Traditionen der Heimat mit modernen Elementen aufgewertet. Eine unterhaltsame und spannende Reise von Frankfurt aus an den Bosporus, den Amazonas und auch in die Wälder Sibiriens.

Die Musik des „Frankfurt Colours Quartet“ kommt als eine berauschende, manchmal leise und oft groovige Mischung daher, die so auch als musikalischer Ausdruck für den multinationalen Hintergrund Hessens und Frankfurts stehen kann. Da kann es bei einem Tango einmal feurig und leidenschaftlich werden - mit perlenden Läufen und harten Akkorden am Piano. Und dann wieder zart, wenn die „russische Seele“ mit einem Hauch von Wehmut lebendig wird.

Und gerade hier liegt auch die Botschaft begründet, die mit den vier „Kulturdiplomaten“ ins „Reich der Mitte“ reisen wird: Kulturelle Vielfalt ist befruchtend, eröffnet neue Horizonte. Nur wer zunächst aufeinander hört, wird in der Lage sein, Neues miteinander zu gestalten.

Die Besetzung des „Frankfurt Colours Quartet“

Matthias Frey (Klavier) ist in steter Bewegung. Er ist mehrmals im Jahr im Ausland auf Tournee, produziert CDs mit eigener und mit Musik anderer Künstler, er spielt weltweit auf Konzerten und Festivals, komponiert Musik für Spielfilme und Dokumentationen, ist in der Jury für den deutschen Weltmusikpreis CREOLE HESSEN, und organisiert unter anderem große Konzertreihen für den Frieden und die Völkerverständigung. Seine musikalische Offenheit und sein Interesse für die Kommunikation mit anderen Musikkulturen zeigen sich in diversen Worldmusik-Projekten. Als Initiator und künstlerischer Leiter des Kultur-Konzert-Projektes "Musiker ohne Grenzen", zu dem er im Jahre 2008 acht Musiker aus sechs Ländern "zum musikalischen Gespräch" einlud, setzte er einen weiteren Meilenstein in der Völkerverständigung: Erstmalig musizierten in Deutschland Künstler zusammen, deren Völker durch jahrzehntelange Verfeindung ein Projekt dieser Art nie für möglich gehalten hätten.

Vassily Dück (Bajan) legte eine Solisten-Ausbildung und ein Diplom als Musikpädagoge am staatl. Konservatorium (Novosibirsk) ab, spielte als Solist und Konzertmeister bei der Philharmonie Altai und mit dem Staatl. Borisovs Velikorusskij Orchester Sibirien. Er ist mit dem Ensemble „Mi Loco Tango“ Preisträger des Wettbewerbs „Creole – Preis für Weltmusik aus Deutschland 2007“ und des „III. Astor-Piazzolla-Festivals 2008“ in Lanciano (Italien). Seine musikalische Expressivität und sein vitales Interesse an Stilen und Genres bilden die Basis für sein künstlerisches Schaffen.

Angela Frontera (Perkussion) stammt ursprünglich aus Brasilien. Sie arbeitete unter anderem mit Musikern Nina Hagen, Grace Jones, Airto Moreira, Rosanna & Zélia, Ivan Santos und Lou Bega. Die Tochter eines italienisch-stämmigen Pianisten und einer indianisch-afrobrasilianischen Sängerin begreift sich selbst als typische brasilianische Melange, die sich in ihrer Musik wiederspiegelt. Sie ist regelmässig international zu Konzerten unterwegs und spielt in vielen Crossover-Projekten.

Deniz Köseoglu (Saz) spielt eines der wichtigsten türkischen Instrumente. Der noch junge Musiker studierte an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt und hat neben seiner Ausbildung in zahlreichen Ensembles für türkische Musik gespielt. Ein erstes Zeugnis seiner besonderen Qualitäten konnte er als Partner an der Seite des berühmten Oud-Virtuosen  Rabih Abou-Khalil ablegen.

Webseite zum Konzert in Frankfurt am 9.11.11