Nichtkommerzielle Lokalradios in Hessen

Zehn Jahre nicht-kommerzielle Lokalradios in Hessen

Allen Grund zum Feiern

Die sieben nichtkommerziellen Lokalradios – kurz NKLs genannt – sind aus der hessischen Medienlandschaft nicht mehr wegzudenken. Seit ihrem Sendestart im Jahr 1997 haben sich die bunten Radios als wirkungsvolle publizistische Ergänzung zum bestehenden Medienangebot etabliert und die hessische Radioszene belebt.

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Dabei sind sie untereinander so verschieden wie ihre Standorte. So versorgt Radio Meissner in Nordhessen gleich mehrere Gemeinden in einem ländlichen Gebiet, während RUM in Marburg stark durch die Studentenstadt geprägt ist. Radio Rüsselsheim wiederum bietet ein auf die Region zugeschnittenes Programm, das schon mal Volksmusik enthalten kann. Im multikulturellen Frankfurt senden auf Radio X zahlreiche Gruppen mit Migrationshintergrund in ihren Landessprachen oder auch auf deutsch wie der panafrikanische Verein Africa Foundation. Weitere Standorte sind Darmstadt, Kassel und Wiesbaden.

Im Programm der NKLs tauchen Inhalte und Gruppen auf, die in den herkömmlichen Medien wenig oder gar nicht vorkommen. Ein ganz klarer Vorzug der NKLs ist die gesetzlich vorgeschriebene Werbefreiheit. Im Gegensatz zu privaten Radios oder auch öffentlich-rechtlichen Programmen sind die Lokalradios weder Quoten noch dem musikalischen Mainstream verpflichtet und bieten daher z.B. sehr hörenswerte Musikprogramme an.

Die Radiobegeisterten sind Spezialisten für bestimmte Themen wie Literatur, Umwelt, Politik, Kultur etc. Aber bevor sie zum ersten Mal den Mikroregler im „Selbstfahrerstudio“ hochziehen, lernen sie in diversen Kursen, ihr Wissen technisch, radiogemäß und rechtlich abgesichert umzusetzen.

Alle NKLs sind gemeinnützige Vereine und finanziell nicht gerade üppig ausgestattet. Als Kompensation für die Werbefreiheit erhalten sie von der Landesanstalt für Privaten Rundfunk (LPR) jährlich ca. 66.000 Euro, die nur einen Teil der Kosten abdecken. Darüber hinaus finanzieren sich die Radios über Mitgliedsbeiträge, Spenden und Off-air Veranstaltungen wie Benefizpartys, Konzerte oder Straßenfeste. Überhaupt sind die NKLs keine hermetisch abgeschlossenen Systeme: Engagierte Neuzugänge im Programm sind erwünscht und auch für einmalige Sendungen werden Sendeplätze freigehalten.

Alle Sendungen – so eine Auflage der LPR - müssen ehrenamtlich gemacht werden, nur Organisationsarbeit darf bezahlt werden. Aber bei der finanziellen Lage der Radios kann meistens nur eine Person finanziert werden, so dass auch hier der ehrenamtliche Einsatz sehr hoch ist.

Doch einen Wermutstropfen gab es bei den Jubiläumsfeiern zum Zehnjährigen: Ende Mai 2007 beschloss der hessische Landtag eine Kürzung der Mittel, aus denen die LPR die NKLs fördert. Durch intensive Lobbyarbeit haben die NKLs allerdings noch stärkere, ihre Existenz gefährdende Kürzungen abgewendet – und ihren Bekanntheitsgrad erhöht. Der Enthusiasmus jedenfalls ist selbst nach mehr als zehn Jahren ungebrochen. „Keine Sendung mehr bei Radio X machen? Das kann ich mir gar nicht vorstellen.“ So die Filmemacherin Anja Czioska, die von Anfang an dabei ist.

Über die Autorin

Petra Klaus gründete1985 Radio X in Frankfurt und war entscheidend an dessen Aufbau beteiligt. Von 1998 bis 1994 war sie Geschäftsführerin bei Radio X. 1997 war sie Mitinitiatorin von Indian Vibes . Sie ist eine der Mitgründerinnen von „die tageszeitung“, hat für verschiedene Publikationen gearbeitet und Pressearbeit für diverse Projekte gemacht. Sie hat ihr Studium Deutsche Literaturwissenschaft, Linguistik und Politikwissenschaft mit M.A. abgeschlossen. Seit 2007 arbeitet Petra Klaus freiberuflich im Online-Bereich.