Das Branchenbuch für Hessens Kulturlandschaft.
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Das 1945 gegründete Land Hessen blickt auf eine reiche Geschichte zurück, die durch eine starke territoriale Zersplitterung geprägt ist. Auf der historischen Landkarte finden sich neben hessischen und Territorien Nassaus unter anderem auch kurmainzische und kurtrierische Gebietsteile sowie zahlreiche kleinere Herrschaften. Reichsstädte wie Frankfurt am Main und Wetzlar aber auch Klöster wie Fulda, Hersfeld, und Lorsch ergänzen diesen bunten Reigen noch.
Es gibt zahlreiche Orte, die darüber Auskunft geben, welche wechselnden politischen Geschicke das Land erlebt hat. Einen Teil davon findet der Leser des Kulturportals in den zahlreichen Schlössern und Burgen, die in der Infothek vorgestellt werden
Der historischen Vielgestaltigkeit entspricht jedoch eine Zahl von Archiven, die nicht nur Schriftgut vergangener Jahrhunderte aufbewahren, sondern diese historische Überlieferung laufend durch Unterlagen aus allen Bereichen von Verwaltung, Wirtschaft und Kultur ergänzen. In Marburg, Darmstadt und Wiesbaden kann jeder in Urkunden und Akten blättern. Hier wird in der Landesgeschichte geforscht und historisch-politische Bildung vermittelt. Im elektronischen Zeitalter kann man das Archiv inzwischen auch per Internet mit dem Hessischen Archiv-Informations- und Dokumentationssystem HADIS nach interessanten Dokumenten durchforsten.
Das Hauptstaatsarchiv Wiesbaden hat eine doppelte Aufgabe. Einerseits ist es zuständig für die Übernahme historisch bedeutsamer Unterlagen der hessischen Ministerien sowie aller Behörden, Gerichte und staatlichen Einrichtungen mit Zuständigkeit für das gesamte Land Hessen. Auch ein Zwischenarchiv für Schriftgut, das noch der behördlichen Aufbewahrungsfrist unterliegt, wird von ihm geführt.
Als Regionalarchiv ist es zuständig für das Archivgut der staatlichen Dienststellen in den kreisfreien Städten Frankfurt am Main und Wiesbaden sowie im Hochtaunuskreis, im Lahn-Dill-Kreis, im Landkreis Limburg-Weilburg, im Main-Kinzig-Kreis, im Main-Taunus-Kreis und im Rheingau-Taunus-Kreis. Aus beiden Zuständigkeitsbereichen übernimmt das Hessische Hauptstaatsarchiv zusätzlich archivwürdige Unterlagen nichtstaatlicher Herkunft. Das besondere Interesse gilt dabei dem Schriftgut von Parteien und Verbänden sowie den Nachlässen von Wissenschaftlern und Personen der Zeitgeschichte.
Das Staatsarchiv in Darmstadt verwahrt in seinen Magazinen die dokumentarischen Quellen zur Geschichte Hessen-Darmstadts und seiner Vorgängerterritorien, von den mittelalterlichen Pergamenturkunden der Erzbischöfe von Mainz, der Bischöfe von Worms, der Grafen von Katzenelnbogen und der Landgrafen von Hessen bis zu den Verwaltungs- und Gerichtsakten des 19. und 20. Jahrhunderts. Seit 1725 im einstigen Residenzschloss der Landgrafen und Großherzöge untergebracht, erlitt es mit der Zerstörung Darmstadts im Jahre 1944 schwere Verluste, die jedoch zumindest teilweise durch Nachkriegszugänge aus erhaltenen Behördenregistraturen, durch Übernahme von standesherrlichen Archiven und privaten Nachlässen ausgeglichen werden konnten. 1993 erfolgte der Umzug in das im Krieg zerstörte Hoftheater, dessen Ruine als modern ausgestatteter Archivbau wiederhergestellt wurde.
Zu den wertvollsten Beständen zählen die alten Urkunden, das Großherzogliche Haus- und Familienarchiv, das in seinen dynastisch-politischen Korrespondenzen ganz Europa umspannt, die Überlieferung des Sondergerichts bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt und zahlreiche Nachlässe, darunter die Restnachlässe von Wilhelm Leuschner und Ludwig Bergsträsser sowie das im Jahr 2000 vom Bundesarchiv übernommene Familienarchiv Gagern.
Das Staatsarchiv in Marburg , bis 1870 in Kassel, wurde 1869 als preußisches Provinzialarchiv für den Regierungsbezirk Kassel eingerichtet. Bis Mitte der 1870er Jahre erfolgte eine Zentralisierung der ehemaligen kurhessischen Archive in Kassel, Hanau, Marburg und Fulda im Landgrafenschloß zu Marburg. 1938 wurde der neu errichtete Zweckbau am Friedrichsplatz bezogen. Heute ist das Staatsarchiv Marburg zuständig für das bei den staatlichen Behörden im Regierungsbezirk Kassel und Teilen des Regierungsbezirks Gießen (anfallende Schriftgut, soweit es zur dauernden Aufbewahrung bestimmt und geeignet ist. Die heutige staatliche Verwaltung hat 1945/46 die Nachfolge der preußischen Provinzial- und Bezirksverwaltung angetreten. Deren Vorgänger wiederum war bis 1866 das Kurfürstentum Hessen, das aus der Landgrafschaft Hessen-Kassel hervorgegangen war und 1815 um den Großteil des Gebiets des Fürstbistums Fulda vergrößert wurde. Seit 2004 ist das Archiv der deutschen Jugendbewegung auf Burg Ludwigstein (Witzenhausen) Außenstelle des Staatsarchivs.
Einzigartig in Deutschland ist die Archivschule Marburg . Dort werden länderübergreifend zukünftige Archivare für den höheren und gehobenen Dienst ausgebildet.
Den gemeinsamen Orientierungsrahmen für die Tätigkeit der hessischen Archive bietet das Hessische Archivgesetz vom 18. Oktober 1989. Es ist für die Archive staatlicher und kommunaler Träger verbindliche Rechtsgrundlage und besitzt für die übrigen Archive Leitbildfunktion.
Auch das Hessische Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg ist eine Einrichtung im Geschäftsbereich des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst. Das Landesamt hat die Aufgabe, die geschichtliche Landeskunde wissenschaftlich zu fördern und Grundlagenforschung zu betreiben. Dies geschieht in mehreren Langzeitprojekten:
• Geschichtliche Atlanten
• Historisches Ortslexikon des Landes Hessen
• Numismatik und Münzfundpflege
Ausführliche Informationen finden sich auf der Webseite des Landesamtes .
Wer in diesen Archiven nicht findet, was er sucht, kann sich an die kommunalen und privaten Archive wenden. Zahlreichen Kommunalarchive über die umfangreichsten und thematisch umfassendsten Bestände. Inhaltlich stärker spezialisiert sind die Kirchenarchive. Das Landeskirchliche Archiv der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck in Kassel ist eine Präsenzbibliothek mit insgesamt 3.500 Bänden. Ein alphabetischer und systematischer Katalog erschließt die Bibliothek, die vorwiegend Bücher zum Archivwesen und zur hessischen Kirchengeschichte enthält.
Auch Familienarchive, die Wirtschaftsarchive, die Medienarchive, die Universitätsarchive sowie die Archive sonstiger Institutionen wie die Archive des Hessischen Landtags und des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen halten historische Informationen bereit. Im Deutschen Musikgeschichtlichen Archiv befinden sich zum Beispiel fast 27.500 Mikrofilme und Fiches mit Quellen (Musikalien und theoretischen Schriften vor allem zur deutschen Musikgeschichte des 15.-19. Jahrhunderts. Sie stammen aus Bibliotheken und Archiven in aller Welt.
Auch der literarisch Interessierte findet an vielen Orten Hessen Erinnerungen an weltbekannte und regionale Größen der hessischen Literatur. Dies in schöner Regelmäßigkeit zu erweitern ist eine Aufgabe, die sich das Literaturland Hessen gestellt hat. Auf den Seiten des Hessischen Rundfunks, der Partner dieses gemeinsamen Projektes mit dem Land Hessen ist, wird zu einer Rundreise eingeladen, die zu solchen Orten führt, an denen bekannte Literaten Hessen gelebt und gearbeitet haben.
Hessische Geschichte lässt sich am besten erleben, wenn man ihren lebendigen Spuren folgt.
Link zum Hauptstaatsarchiv Wiesbaden
Quellen: Land Hessen, Staatsarchive