Hessische Kulturpolitik

HermannHessen ist ein Land mit vielfältigen kulturellen Traditionen und einzigartigen kunsthistorischen Schätzen. Die Region zwischen Odenwald und Meißner, zwischen Rhön und Rheingau im Herzen Europas war seit jeher den Einflüssen unterschiedlicher Kulturen ausgesetzt, die das Land in den vergangenen Jahrtausenden immer wieder neu geprägt haben. Eine erste Hochkultur hatte sich unter den Kelten schon im fünften vorchristlichen Jahrhundert entwickelt, viele Fundstätten in Hessen dokumentieren diese Zeit.

Neben der reichen kulturellen Vergangenheit mit all ihren überlieferten Zeugnissen gibt es im heutigen Hessen eine ausgesprochen lebendige zeitgenössische Kulturszene. Dieses Nebeneinander der Herausforderungen - das Bewahren und Pflegen des Erbes aus der Vergangenheit auf der einen Seite, das Weiterentwickeln moderner Kultur durch gezielte Förderung auf der anderen Seite - kennzeichnet die Kulturpolitik des Landes.

Die Förderung von Kunst und Kultur erfolgt seit einigen Jahren auch unter einem ganz neuen Blickwinkel: dem Bewusstsein der Bedeutung von Kulturwirtschaft. Mehr und mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass Kultur alles andere als ein „weicher“ Standortfaktor ist! Inzwischen wissen wir, dass Kunst und Kultur wichtige Beiträge zur wirtschaftlichen Entwicklung der Länder leisten.

 Kulturwirtschaft

Quelle documenta Fotograf MaschmannDie Zukunftsbranche Kultur- und Kreativwirtschaft gilt als ein bedeutender Wachstumsmarkt und Innovationsmotor für andere Wirtschaftsbranchen. Die rund 20.700 in der Umsatzsteuerstatistik erfassten Unternehmen in Hessen erwirtschafteten im Jahr 2010 rund 12,5 Mrd. Euro. Gut 65.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte waren hier im Jahr 2011 tätig, das sind mehr Mitarbeiter als beispielsweise in der Chemie- und Pharmaindustrie oder im Maschinenbau. Die umsatzstärksten Teilbranchen in Hessen sind der Werbemarkt, die Software-/ Games-Industrie, der Designmarkt und der Pressemarkt.

Beispielsweise sichern die vielfältigen Initiativen im Bereich der kulturellen und wirtschaftlichen Filmförderung (z. B. der FilmFinanzierungsFonds Hessen) nicht nur bereits vorhandene Arbeitsplätze, sie schaffen auch viele neue! Daher ist es ein Ziel der Kulturpolitik in Hessen, derartige Besonderheiten der Kulturlandschaft zu fördern und zu stärken.

Die Bewertung staatlicher Kulturpolitik bemisst sich in der Öffentlichkeit vor allem an den Ergebnissen der großen Investitionen. Hier ist für Hessen zu allererst die Neugestaltung der Museumslandschaft Hessen Kassel zu nennen, die gegenwärtig mit einem finanziellen Aufwand von 200 Millionen Euro umgesetzt wird und die zu den größten Kulturprojekten in Deutschland zählt. Kassel ist nach Berlin und Dresden und München der viertgrößte Museumsstandort Deutschlands, ein Besuch dort lohnt immer! Alle fünf Jahre findet in Kassel auch die Weltkunstausstellung documenta statt.

Kulturinvestitionsprogramm

Das 2008 ausgelaufene Kulturinvestitionsprogramm der Landesregierung (rund 260 Millionen
Euro) hat die Renovierung der Staatstheater in Kassel, Wiesbaden und Darmstadt (jeweils in zweistelliger Millionenhöhe), die  Sanierung der Landesmuseen Wiesbaden und  Darmstadt möglich gemacht. Die Bauten der großen traditionsreichen Landeskulturinstitutionen präsentieren sich damit nach einem über Jahrzehnte angewachsenen Sanierungsstau in neuem Glanz – mit beachtenswerten Superlativen: die Bühnentechnik des Darmstädter Staatstheaters gilt als die modernste des Kontinents.

Kulturelle Schätze von Weltrang

Keltenwelt-2Für große Zustimmung hat die Entscheidung der Landesregierung gesorgt, am Glauberg, der Fundstätte der 2500 Jahre alten Keltenfürst-Statue, ein Keltenmuseum zu bauen, das inzwischen auf große öffentliche Resonanz stößt. Auch die UNESCO-Weltnaturerbestätte Grube Messel hat ein neues und modernes Besucher- und Informationszentrum erhalten, das den tropischen Lebensraum der Zeit vor 47 Millionen Jahren für Groß und Klein veranschaulicht. Seit 2011 gehören die Buchenwälder im Nationalpark Kellerwald-Edersee zum UNESCO-Weltnaturerbe „Alte Buchenwälder Deutschlands“. Außerdem  wird noch das ehemalige Kloster Lorsch, der Obergermanisch-raetische Limes und das Obere Mittelrheintal als kulturelle Schätze von Weltrang geführt. Über die Aufnahme des Kasseler Bergparks in die Welterbeliste der UNESCO entscheidet die Welterbekonferenz Ende Juni 2013.

Neben der Fortsetzung über Jahre bewährter Kulturförderungen - wie etwa für die vier hessischen Kultursommer – konnten in Hessen auf Initiative des Landes eine Reihe neuer Kulturprojekte verwirklicht werden. Mit der Schauspielbiennale "Neue Stücke aus Europa" am Hessischen Staatstheater Wiesbaden besitzt die Landeshauptstadt ein internationales Theaterfestival von hohem Rang, das im zweijährigen Rhythmus stattfindet. Das „Leseland Hessen“ hat inzwischen Hunderte von Buchmessen-Autoren in Lesefestivals hessischer Städte vermittelt. Durch die Initiative „Literaturland Hessen“ wurden zahlreiche historische Orte in Hessen für die Öffentlichkeit erschlossen, die von Bedeutung für das literarische Leben des Bundeslandes sind. Die Gründung der Forsythe-Ballett-Company konnte eine der wichtigsten internationalen Tanztheater weiterhin an Hessen binden.

Staatstheater-DADie Anlehnung des Hessischen Filmpreises an die Frankfurter Buchmesse hat diesem „Event“ einen international beachteten Stellenwert beschert. Durch die Einrichtung des FilmFinanzierungsFonds Hessen bieten sich für die Filmbranche im Lande neue interessante Perspektiven. Insgesamt fördert das Land die Filmbranche in Hessen mit rund zehn Millionen Euro (2013). Mit dem Bau des Deutschen Filmhauses in Wiesbaden sind die Schwerpunkte zum Thema Film weiter gebündelt worden.

Seit mehr als zehn Jahren richtet das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst die Veranstaltungsreihe „Forum Wissenschaft + Kunst“ aus. Es präsentiert eine Auswahl geförderter Kunst- und Wissenschaftsprojekte sowie aktuelle Themen von gesellschaftlicher Bedeutung. Mit Lesungen von Preisträgern und jungen Autoren, einer Filmreihe, Tanz- und Musikprojekten, Fachvorträgen und Symposien möchte das Forum Wissenschaft + Kunst über die Aktivitäten hessischer Kulturschaffender ebenso informieren wie über die Arbeit des Ressorts und damit zur Diskussion anregen.

Hessens Kultur hat für jeden etwas zu bieten!

Quelle Bilder: 1. Herkules, MHK  / 2.  Fridericianum, documenta, Fotograf: Maschmann / 3. Keltenfürst-Statue, HMWK  / 4. Staatstheater Darmstadt, Fotografin: Barbara Aumüller

Autoren: Ernst Wegener, Sybille Schröpel