1822-Kunstpreis an Andrea Büttner überreicht

Andrea-Büttner-BildIm Kaisersaal des Frankfurter Römer hat Andrea Büttner am 2. Juni 2012 den mit 15.000 Euro dotierten 1822-Kunstpreis entgegengenommen. Die Auszeichnung ist die am höchsten dotierte Ehrung, die jährlich in Frankfurt an bildende Künstler vergeben werden.

Büttner studierte Bildende Kunst der Universität der Künste Berlin und wurde 2000 dort Meisterschülerin von Dieter Hacker. 2003 bis 2004 studierte sie an der Eberhard Karls Universität Tübingen und an der Humboldt Universität Berlin, wo sie den Magister in Kunstgeschichte und Philosophie machte. Von 2005 bis 2008 wechselte sie zum Royal College of Art nach London und wurde mit einer Dissertation zum Thema „Scham als ästhetisches Gefühl“ promoviert. Zur Zeit wechselt die Künstlerin zwischen London und Frankfurt.

Die FAZ berichtet von der Verleihung mit folgenden Sätzen:

Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth bezog sich in seiner Begrüßung auf eine biographische Alternative, vor die sich die 1972 geborene, derzeit auf der Kasseler Documenta prominent mit Werken vertretene Künstlerin einst gestellt sah: Landwirtin oder Philosophin. Heute verbinde sie auf singuläre Weise Kunst und das Nachdenken über Kunst. Sie weigere sich, „cool“ zu sein, aber „uncool kann auch cool“ sein. So habe sie sich etwa positiv über das Euro-Denkmal von Otmar Hörl geäußert, das in den Kulturkreisen der Stadt sonst auf wenig Zuneigung stößt, obwohl es zum Wahrzeichen Frankfurts geworden sei. „Ich möchte es nicht abschaffen“, sagte der Stadtrat.

Die Laudatio auf die Preisträgerin hielt Nikolaus Hirsch, Rektor der Städelschule. Die Künstlerin setze sich mit Scham und Peinlichkeit auseinander, sagte er, sie stelle die Frage nach der möglichen Autonomie von Kunst in einer Situation, in der diese in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei, aber Kunstmarkt und „celebrity“-Ereignisse die Szene prägten. Büttner überschreite diskret Grenzen und beschäftige sich damit, wie Kunst sichtbar werde und ob sie dabei ihre Unschuld verliere. Sie interessiere sich für die Kontemplation inmitten des Kunstspektakels und für das Thema Armut. In ihre Installationen integriere sie großformatige Holzschnitte, weil sie das „arme Material, das von Hand bearbeitet wird“, schätze.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv". Erstveröffentlichung am 3. Juli 2012 (Seite 37), Autor: lr.